Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Grundsätze der Ölmalerei und das Verfahren der classischen Meister
Person:
Ludwig, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841768
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1842190
C010 rits. 
Der Naturalismus des 
der runden Wirklichkeit und der Farbenherrlichkeit der Natur, 
so muss er sich in der Regel allerdings wohl darauf verlassen, 
dass sein Nachbild nicht mit dem übermächtigen Vorbilde zu 
directem Vergleich gestellt werde. Wird aber Nachbild mit 
Nachbild verglichen, so werden wir selbstverständlich immer 
dasjenige als das natürlichere empfinden, Welches seinem Vor- 
bilde an Kraft des Ausdrucks am nächsten tritt, und das 
positive Zurückstehen des weniger gelungenen gegen sein Vor- 
bild wird jetzt peinlicher von uns gefühlt, als wenn wir es 
allein sähen. 
Moderne glauben, wenn sie nur Nichts ohne Beisein des 
Naturvorbildes malten, so könne es nicht fehlen, dass ihr Werk 
des Beschauers Phantasie lebhaft an Natur erinnere, und 
meinen, hiemit genug gethan zu haben. Die Alten machten 
strengere Ansprüche an sich, sie hielten darauf, dass das Bild, 
sollte einmal Naturähimlichkeit der Zweck desselben sein, einer 
Prüfung des Auges auf die Aehnliehkeit mit dem Vorbilde 
hin müsse unterzogen werden können. Würde es, mit der 
Natur verglichen, Wohl auch seine Mangelhaftigkeit nicht ver- 
leugnen, so Würde es sich doch neben andern Bildern an 
Natürlichkeit behaupten. 
So stiessen sie denn sofort auf die Einschränkung, welche 
der Absicht auf Naturwalirlieit im Bilde gezogen ist; dieselbe 
ist vor allen Dingen in der Unvollkommenheit der Darstel- 
lungsinittel begründet. Des Menschen Geist kann sich bei 
seiner Naturbeobachtung auf sehr Vieles beziehen, aber nicht 
Alles, was er zu beobachten vermag, hat auf die bildende 
Kunst Bezug. Für diese können nur die Beobachtungen Werth 
haben, Welche in der That- in der Darstellung zu schlagendem 
Ausdruck zu bringen sind. 
Hiemit Würde denn mit einem Male der Kreis der Dar-klälixrlläggäsgh 
stellungsprobleine ausserorcientiicli zusammengezogen sein. Aber äiuäntgirigäg; 
es wird das weder eine Deinüthigung mit sich führen, noch deriässäaen- 
wird es des Künstlers Arbeit erleichtern, eher umgekehrt. In-  
dem sein Geist jetzt auf dem geringen ihm gegönnten Uni- 
kreise in die Tiefe und auf die innere Erkenntniss der Er-
        

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