Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Grundsätze der Ölmalerei und das Verfahren der classischen Meister
Person:
Ludwig, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841768
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1843795
Deckfarben 
und 
Deckfarbenmengun g. 
163 
Mischtöne 
durch Pig- 
ment- 
mengung. 
In allen durch  erzeugten hrlisehtönen 
müssen die Massen der Componenten sehr gut und sorgfältig 
Braun, oder Grauviolet, wenn das Schwarz Blau, statt Gelb enthält. Und 
Schwarz -l- Gelb giebt nicht Dunkelgelb, sondern Grün. 
Auch geht es nicht immer an, eine helle Farbe dadurch nach ihrem 
Schatten hin zu verdunkeln, dass man ihr ein dunkleres verwandtfarbiges 
Pigment zumischt. Rother Lack und Neapelroth, gemengt, ergeben zwar 
ein schönes dunkles Roth, aber keine genaue Rlbschattirung von Neapelroth. 
Die besten Abschattirungen geben miteinander die helleren und dunkleren 
Ockernüancen. Lichtockerip Gold- oder-l-Dunkelocker kann allenfalls für 
genügende Abschattirung von Lichtocker gelten.  Goldocker 11- Chrom ist 
als Abschattirung von Chromlicht kaum noch genau genug. Sieht man den 
Palettensatz nur an, so erkennt man auch sofort, dass man es in den helleren 
und dunkleren Nüancirungen von Gelb, von Roth u. s. w. nicht mit helleren 
und dunkleren Tönen derselben Localfarbe zu thun hat, sondern mit ganz 
verschiedenen Localfarben. Und häufig genug kommt in einem Pigment, 
welches, unvermischt, z. B. leidlich warm schien, plötzlich ein kalter Charakter 
zum Vorschein, sowie ein hellerer Deckfarbencomponent mit ihm gemengt 
wird. Neapelroth ist z. B. eine solche Farbe. 
Diese Schwierigkeiten vollkommener Abschattirungen machen es denn 
auch rathsam, wenn man in Oel nur mit Deckfarbenmengungen malen will, 
sehr helle Probleme zu wählen, ähnlich, wie die alten 'l'empera1naler, bei 
der Mehrzahl der Farben die unvermischte Localfarbe als Schattenton an- 
zunehmen und, statt deren weitere Verdunkelung zu suchen, sie lieber nach 
dem Licht hin mit Neutralweiss aufzuhellen. Vor Allem wird auch nöthig 
sein, dass man solche Mengungsabtönungen in genügend hohen Auftrag 
bringe, so dass kein heller Untergrund farbenverwirrend durch sie her- 
scheinen könne. Dass dieses wenigstens die einsichtsvolleren französischen 
Maler bei der hier in Frage stehenden Gattung mit ihrem überall gleich- 
niässig hohen Impasto anstreben, ist der Rest von Sinn ihres Verfahrens, 
den freilich viele ihrer deutschen Nachahmer nicht einmal herausfühlen. 
Nicht nur darf kein allgemeiner Grund herscheiuen, sondern auch durch 
den einzelnen Ton kein einzelner unterliegender Ton. Sonst kommt das 
was wir mit unserer rationellen Technik als Vortheil und als Princip auf- 
suchen, störend und unberechenbar zum Vorschein.  
Wie mühevoll und schwerfällig wird nun solche Malerei und auf wie 
geringem Umfang bewegt sie sich. Warum malt man nicht überhaupt 
lieber gleich in Tempera, wenn man das Aussehen matter Farbe will? Auch 
die beste Nachahmung von Tempera mittelst Oelfarben wird niemals den 
schönen, leichten grauen Ton haben, den das auf den matten Oberflächen 
der Temperafarben gleichmässig spielende weisse Tageslicht verleiht. Auch 
der aufmerksamste Oelfarbenmaler wird nicht vermeiden können, dass ihm 
die Transparenz des Oeles an irgend einer Stelle zu viel Licht absorbire, 
11k
        

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