Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Grundsätze der Ölmalerei und das Verfahren der classischen Meister
Person:
Ludwig, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841768
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1843761
160 
Abschnitt. 
Zweiter 
Hauch des Lufttons, der sich darüber legt, hinweggenommen. 
Es gehört ja, streng genommen, nicht in die Malerei, (lurch 
Dicke des Auftrags, wie der Bildhauer thut, modelliren zu 
wollen, und bei den Meistern bester Schulen denkt man über. 
haupt gar nicht an das Farbenmaterial als solches. Soll es 
aber einmal sein, so muss umsomehr vermieden werden, was 
widersinnig ist. 
S0 tuscht denn C121 ude le Lorrain die Baumgruppen 
im Mittelgrunde, welche das aus der Tiefe des Bildes hervor- 
strahlende Abendlicht absperren, aber immerhin noch vom 
hellen Dunstnebel umflossen sind, mit leichtem Farbenauf- 
trag auf die Luft. Weiter nach vorn zu geht er allmählich 
immer körperlicher im Auftrag, und ganz im Vordergrunde 
lasst er die Schwere des Materials zum vollen Ausdruck kommen. 
Es ist nicht, dass er dachte mit der dickmodellirten Farbe 
Erde und Steine in ihrer Stoffiichkeit nachzutäuschen 1). Das 
weiss er wohl, dass Oelfarbe immer Oelfarbe bleibt und dass 
sie um so kenntlicher als solche wird, je höher man sie anf- 
trägt. Er drückt nur die Empfindung aius, die man auch 
vor der Natur hat. Auch in dieser erscheint die Stofflichkeit 
im Entfernten weniger auffallend, als in uns N aherstehendem. 
Aber er erreicht auch sonst noch etwas (lalnit. Der leichte 
Farbenauftrag der Ferne und des Mittelgrnnds sperrt das 
Licht der Himmel weniger energisch ab, als der impastirte 
der im Vordergrunde befindlichen Baume. Und so scheinen 
auf die einfachste Weise sich diese gegen die helle Luft 
dunkler zu verhalten, als die aus ganz demselben Pigment  
nur dünner gemalten zurückstehenden. Er hat obendrein 
noch das Gefühl aufrecht erhalten, dass wir es in beiden mit 
ein und derselben Localfarbe zu thun haben. Wie in allem, was 
jene liebenswürdigen Maler thaten, ist Klugheit und feine 
Kenntniss der Darstellungsmittel, vor allen Dingen aber Schön- 
heitssinn und Liebe und Achtung der Natur auch in solcher 
Kleinigkeit ausgeprägt.  
1) Manche Moderne mischen 
Terrain besser zu charakterisiren. 
aufgeschwungen. 
sogar Sand 
Hiezu hat 
in die Oelfarben, 
sich nicht einmal 
um das 
Ribera
        

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