Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Grundsätze der Ölmalerei und das Verfahren der classischen Meister
Person:
Ludwig, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841768
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1843755
und 
Kalte 
warme, 
VOY- 
und 
zurückgehende Farben  
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in bestimmtem (Jontour auf eine helle Luft gezeichneter Baum 
steht unzweifelhaft hervor. Ebenso steht auch ein bestimmt 
gezeichneter blaulicher Nebelfleck vor einer positiven oder 
einer hohen Transparentfarbe, die er theilweise und mit be- 
stimmter Form überschneidet. Moderne fehlen hiergegen 
unendlich oft. Man sieht Stücke der Luft, über Baumcon- 
toure, um die Ausladungen des Laubes auszuschneiden, mit 
grobem Pinsel hinüber gemalt, und Durehsichten durch Zweige 
auf die dunkel angelegten (ilreneralklumpen der Bäume hell 
hinaufgesetzt. Jedenfalls müssen, wenn dieses Verfahren 
einmal erlaubt sein soll, die dunklen feinen Ausladungen der 
Zweige Wieder sorgfältig und bestimmt über die eingemalte 
Luftstelle hinüber gezeichnet werden. Sollen auf den Rändern 
eines dunklen Gegenstandes [leberstirahlungen dahinterstehen- 
den, blendenden Lichts ausgedrückt werden, so ist es dennoch v_ 
nothwendig, dass der (lontour des dunklen Gegenstandes zu- 
vor schön und ordentlich festgestellt sei; und dann werde 
nach Belieben und mit zarter Pinselführung die Lichtüber- 
strahlung in halbdeckender Schicht von Lichtfarbe darüber 
geschummert. 
Zuletzt, und damit nichts unausgenützt bleibe, was mög- 
licherweise zum Vortheil unsrer Darstellung ausgenützt werden Difäfnäfld 
kann, ist noch zu erwähnen die Dicke und Dünne des F arben- Sclääätmd 
auftrags an und für sich, verwendet zu Gunsten des Vor- und 
Zurückgehens im Bilde. Moderne malen geruhig Dick und 
Dünn durcheinander. Anders sehen wir die alten Meister 
verfahren. Noch bei den Schulen der Decadenzzeit ist auch 
in diesem den Modernen geringfügig scheinenden Darstellungs- 
mittel Geschmack und unverdorbenes natürliches Gefühl be- 
thätigt. Meister der perspectivischen Wirkung, wie Poussin, 
Claude le Lorrain und Ruysdael haben, für den sach- 
gemässen Ausdruck ihrer Bildoberiiachen auf's Beste besorgt, 
alle zurückgehenden Plane der Ferne und des Mittelgrundes, 
sowie die Himmel stets mit dünnerem Farbauftrag behandelt, 
als die V ordergründe. Auch in der Natur spürt man nur im 
Vordergrunde die Schwere der Materie, im Mittelgrund und in 
der Ferne ist das Schwerstofiiiche des Eindrucks durch den
        

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