Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Grundsätze der Ölmalerei und das Verfahren der classischen Meister
Person:
Ludwig, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841768
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1843744
158 
Zweiter 
Abschnitt. 
die Farbe dieser Lasur auch eine kalte sein, dann treibt man 
ihn hervor;  so werden denn z. B. helle blaue Gewänder 
 des Vordergrundes, aus starker Deckfarbe oder mit Intensiv- 
lasur auf Weiss oder Weissgelb gemalt, über dunklere rothe 
und gelbe des Mittelgrundes, welche aus schwacher Halbdeck- 
farbe auf dunkle Unterlage geschummert und nochmals mit 
lichtabsorbirender Lasur überzogen sind, weit hervortreten. 
Ich Will übrigens zugeben, dass es eine fehlerhafte Eigen- 
heit meines. Auges sei, das Hervortreten der warmengvor die 
kalten Farben nicht als absolut feststehend zu erkennen. Ist 
dieses ein individuelles Gebrechen, so ist jedenfalls durch die 
 Möglichkeit, dass durch die Art der Mischung mit WVeiss, ob 
man nämlich direct mengt, oder den dunklen Componenten 
als Lasur über das Weiss zieht, jede Farbe kalt oder warm ge- 
macht werden kann, der Malerei ein um so grösserer Vortheil 
geboten. Denn würden nun Fernen mit Kaltcharakteren von 
Blau (Mengung -l- Wleiss), über Dunkel getragen, angefertigt 
und in den Vordergrund hauptsächlich mittelst weisser Unter- 
legung durchleuchtete Intensivfarben oder hohe Deckfarben 
der warmen F arbenrichtung versetzt, so Ware dann auf's 
Drastischste für das Vor und Zurück im läilde gesorgt. So 
wäre es auch keine Schwierigkeit, dasselbe Roth einmal im 
iWittelgrund als kalteres Roth (in Mengung mit Weiss) zurück- 
gehend hinzustellen und davor, im Vorgrund, in Volllasur 
über Weiss, als hervortretendes. Uebrigens liegen in allem 
diesem, wie gleich zu Anfang bemerkt wurde, nur Hilfen. 
 Die Hauptsache bleibt immer, dass die Luftabtönungen der 
Natur zugleich gut in ihren Nüancen studirt und vor Allem 
die Linearperspective, oder der plastische Ausdruck der 
Körperlichkeit und des für dieselbe nöthigen freien Raumes 
richtig sei. 
Digtamllilghß Ist in der Malerei kenntlich, dass eine Farbe thatsälchlich 
Zwäilfäniägff" über eine andere hinüber gemalt ist, d. h. sehen wir die 
geytlgfräzßf" Unterlage an der einen Seite unbedeckt zu Tage hegen, und 
an der andern unter der oberen Farbenschicht verschwinden, 
so ist auch dieses für Vor und Zurück entscheidend, besonders, 
wenn die obere Farbe eine bestimmte Form axusdrückt. Ein
        

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