Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Grundsätze der Ölmalerei und das Verfahren der classischen Meister
Person:
Ludwig, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841768
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1843684
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Z weiter 
Abschnitt. 
vo11 der Sonne beleuchtetes Haus fallt, liegt uns auf demselben 
Plan, wie das helle warme Licht, weil wir die Zusammenge- 
hörigkeit der Form des Hauses bald erkennen, oder, als be- 
kannt, gar nicht bezweifeln. Wenn dieses nicht so wäre, so 
müssten uns die hellen und warnienlilarben der Abendwolkeii 
weit vor alles Andere und selbst vor das in unsrer Nähe befind- 
liche Dunkle und Kaltfarbige hervor zu treten scheinen; aber 
wir sind sogar da ganz ausser Zweifel, dass die Sonne weit 
hinter den Hausern stehe, WO ihr Glanz über die dunklem 
Ränder derselben hinüberstrahlt. 
"liäclfßmlte Insofern nun ein Bild die Naturerscheinung (Jlarstcllt, 
werden wir auch das anscheinendc Vor- und Zurücktreten 
der Farben zunächst nach dem Standpunete der nachgeahinten 
Gegenstände, welchen die Farben anhaften, loeurtheilen, und 
sind sonst nur keine auffallenden Fehler gegen die Linien- 
perspective begangen. und ist das Gefühl für die plastische 
Erscheinung und die räumlichen Bedingungen der dargestellten 
Gegenstände kein zu mangelhaftes gewesen, so geben wir uns 
auch im Bilde über das Vor und Zurück der Farben zufrieden. 
So glauben wir die aus ganz hellen und warmen Farben ge- 
malte Luft hinter der dunklen Baummasse stehen zu sehen, 
sowohl in ihrer ganzen umher verbreiteten Menge, als in den 
kleinen uncten, wo sie durch die Zwischenraume des Laubs 
im Innern der Baummasse hervorschimmert. Die kleinen 
Durchsichten sind Vielleicht sogar n1it dicker Farbe oben auf 
die Masse des Baumes aufgesetzt werden. Malen wir aber 
mit der Farbe der Luft selbst einen gleichfalls hellen Fleck 
auf die Masse des Baumes und geben ihm die Gestalt eines 
Vogels, so erkennen wir diesen nun als deutlich vor dem 
Baume befindlich an. 
Wohl aber weiss ein Jeder, dass ihn Lichtstarke, kalte 
 und warme Farben auch in der wirklichen Natur über den 
Standpunct der Dinge täuschen können, wenn einmal unge- 
wohnte Farben- und Lichtscalen auftreten, wenn starke W olken- 
sehatten und Dunstfarben das gewohnte Bild verwirren, oder 
wir auch sonst bei mangelnden Anknüpfungspuncten des 
perspectivischen Sehens uns über (len Standort. der (legen-
        

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