Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Grundsätze der Ölmalerei und das Verfahren der classischen Meister
Person:
Ludwig, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841768
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1843484
132 
Zweiter 
Abschnitt. 
Potenz sogar weit geringere Sehichtendicke der Pigmente 
nothwendig ist, als auf der schwarzen Tafel, auch das inner- 
liche Leuchten; neben Blasslasur stehend, kann aber auch 
die Intensivschicht von Lasur schon als Körperliches ange- 
sehen werden. Das allgemeine Bild der weissen Tafel ist 
daher auch das lichtvollere und vor allen Dingen das farben- 
reichere. 
Die reichsten F arbenstreifen und die schönsten, voll- 
kommensten Steigerungen von tiefster Dunkelheit bis zu 
sanftem, blassem, innerem Leuchten hinan weisen auf der 
hellen Tafel die vollkommenen Lasurfarben auf. Jede Trans- 
parentfarbe erreicht einen Culminationspnnct ihrer Schönheit 
bei einer gewissen Dicke der Schicht. Ueber oder unter diesem 
Grade der Schichtendicke nimmt die Schönheit der Farbe ab; 
nach der Dünne der Schicht hin wird die Farbe blasser, nach 
der Dicke hin dunkler, aber nicht farbenschöner. Ist daher 
beim Malen einmal der Grad der Schichtendicke, in welchem 
das Pigment seinen Culminationspunct von Schönheit hat, 
überschritten, so muss auf's Neue heller Grund hergestellt 
werden, sonst ist es mit der höchsten Schönheit, welche das 
Pigment erreichen kann, vorüber. Desshalb unterlegt auch 
der Maler, wo er in seinen Bildern die höchste lilarbenschiän- 
heit der Üllraiisparentpigmcnte entwickeln will, immer eher zu 
blass und hell; denn die Lasurschicht verdicken kann er 
immer, muss er aber auf's Neue weisse oder helle Unterlage 
für eine transparente Intensivfarbe herstellen, so ist dies eine 
Störung seiner Arbeit. Es ist also wichtig, dass man bei- 
läufig den Grad der Schichtendicke wisse, in welchem jedes 
Transparentpigment seine schönste Farbensattigung zeigt. 
Die blauen Pigmente halten sich im Allgemeinen länger nach 
der Seite der Sehichtverdickung hin farbenschön, die gelben 
und rothen nach der der Verdünnung. (Siehe trübe Medien.) 
In einer gewissen, nicht übertriebenen Schichtenhöhe der 
"llransparentpigmente ist es, als ob dem Auge eine doppelte 
Absorption fühlbar würde, einmal, die des einfallenden Licht- 
strahls nach unten, und zugleich die Unterdrückung des vom 
Grund zurückkehrenden. Die entstehende Dunkelheit hat den
        

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