Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Grundsätze der Ölmalerei und das Verfahren der classischen Meister
Person:
Ludwig, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841768
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1843335
Medien auf heller Unterlage. 
Trübe 
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Zum dritten Male begegnen Wir hier dem Generalton, 
Welcher in den Localfarben entsteht, Wenn ein gemeinsamer 
Grund durch sie herWirkt. Neutrales Schwarz und Grau als 
Unterlage waren ein alle darüber gelegten Farben in's Kühle 
ziehender Ton, ohne doch deren Localfarben zu andern. Braun 
und Roth als Unterlage waren für Warme stumpfe Local- 
farben ein in's Warme steigerndes Tonelement. Weiss als 
Untergrund sehen wir nun als das mächtigste und zugleich 
als das am reinsten wirkende Betonungselement. Es Verleiht 
den darübergelegten Farben innere Warme und Gluth. Das 
ist die specifischc Einheit des Tones, die Harmonie aller 
Farben, durch Welche sich die Altdeutschen und Altitaliener 
so hoch auszeichnen 1). Sie wird der richtigen Benutzung und 
Schonung des Weissen Grundes verdankt. Es ist das hohe 
Feuer der Schönfarbigkeit, das auf die Farben wie Generaltoil 
wirkt, obgleich sie alle an Kraft gesteigert sind. 
Dieser Ton kann nicht durch eine warme Lasur von oben 
her nachgeahmt werden. Moderne, welche dies versuchen, be- 
schmutzen alle Farben der kalten Richtung, löschen die zarten 
Nuancen aus, und machen das Bild trüber, statt es zu har- 
monisiren. Der Ton, von dem alle Farben durchdrungen sein 
sollen, muss unten sitzen. Die obenliegende Farbe giebt die 
"Localfarbe her. Wird ein farbiger Ton obenauf gelegt, so 
kann dieses nur statthaft sein, wenn man mittelst seiner beab- 
sichtigt, ein von vornher wirkendes Beleuchtungslicht nachzu- 
ahmen, das mit seiner Farbe auf den Lccalfarben deutlich Wird. 
Der Ton 
sitzt im 
Grunde. 
Die Decke 
giebt die 
Localfarhe 
her. 
Ist aber der durch die Helligkeit des Grundes veranlasste 
lileuerton an solchen Stellen des Bildes, WO hohe Loealfarben 
in deckender Schicht zu stehen kamen, aufgehoben, so kann 
man ihn hier allerdings, und in voller Uebereinstimmung mit 
1) Was Göthe als den Goldton der Venetianer bewunderte und ihm 
nach so viele dilettantische Kunstkenner, ist in der Regel nichts Anderes, 
als das Werk ungeschickter Retoucheurs, welche ihre falschfarbigen Re- 
touchen unter einem Alles versöhnenden gelben Firniss verschwinden lassen. 
Der echte Grundton wirkt nicht gelb, sondern alle Farben sind vollkommen 
klar, feurigschönfarbig.
        

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