Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Grundsätze der Ölmalerei und das Verfahren der classischen Meister
Person:
Ludwig, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841768
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1843283
112 
Abschnitt. 
Zweiter 
Will man ein blasses, zartes Lasurblau, -Gelb oder -Roth 
mit Deckfarbe nachmischen, so muss man", um die Farben- 
deutlichkeit zu erreichen, weit dunkler gehen, als die Lasur- 
farbe ist. Mengung eines Pigmentes mit Weiss muss immer 
viel farbloser ausfallen, als die gleich helle Mischung, die 
aus Lasur über Weiss entsteht, weil auf der Mengungsober- 
flache das Tageslicht weisslich farbenden Antheil nimmt; aus 
der Oberfläche der Lasurschicht aber ist dieses Weiss ver- 
bannt. So bleibt dem Maler, der die deutliohfarbigen Töne 
des durehleuchteten Himmels aus Deckfarbe malen will, 
nichts übrig, als weit dunkler zu malen, als wir. Er opfert 
der Farbe sein Licht, oder thut er das Umgekehrte, so wird 
seine Malerei blass gegen die unsrige,  wie denn auch in 
der That moderne Lüfte gegen die auf alten Bildern gemalten 
immer entweder trüb und lichtlos, oder zu blass sind. 
Aber der Hauptfehler derer, welche die Oelfarbe nur 
als Deckfarbe gebrauchen, ist, dass sie sich  und mögen 
sie ihre Himmel auch noch so blassfarbig malen  um die 
[lnterscheidung der leichtstofflichen Luft von der schweren 
Erde bringen und um die Unterscheidung des Himmelslichtes 
vom Beleuchteten oder gar Beschatteten. Daher malen alle 
modernen Deckfarbenmaler die Schatten schwer und schwarz. 
Sie können den Unterschied derselben vom Licht nur durch 
Dunkelheit und Farblosigkeit hervorbringen, und somit werden 
ihre Bilder selbst nothwendig dunkler ausfallen, als die unsrigen, 
in welchen doch, um das Selbstleuchten zu charakterisiren, 
die höchsten Lichtcharaktere der Palette geopfert werden 
müssen. Umsomehr sollten Jene vermeiden, Sonnenschein 
zu malen und sich vielmehr an dem einfachen Lichte ge- 
nügen lassen, Welches die alten Temperamaler schilderten, 
und welches zu malen die grossen Meister der van Eyck'- 
sehen Nachfolge fortführen, obgleich sie ihre Himmel nun 
mit innerem Glanz zu erfüllen vermochten. 
änggf Es bedarf nur eines Blickes auf die Streifen unserer 
weissen Tafel, um uns einsehen zu lassen, dass für die Her- 
vorbringung continuirlicher und verschmolzenster Abschat- 
tirungen hier die nämliche Leichtigkeit besteht, als in der
        

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