Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Grundsätze der Ölmalerei und das Verfahren der classischen Meister
Person:
Ludwig, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841768
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1843255
auf heller Unterlage. 
Trübe Medien 
109 
farbe über hellem Grund nachahmen. Wollen wir aber die gfägfffchfef 
farbigen Glanzerscheinungen des Himmels schildern, so müssen übeüvijPem 
wir unsere durchsichtigsten Pigmente, in dünnen Schichten regem"- 
auf hellstem Grunde auflasirt, in Anwendung bringen. Diese 
werden von ihrer Oberfläche so wenig weissliches Tageslicht 
zurückwcrfen, dass nun im Verhältniss hierzu das vom hellen 
Grund her durch ihre durchsichtige Farbenschicht zurück- 
gebrochene Licht als das alleinige crleuchtendc angesehen 
werden kann. Und hierdurch werden sie nun thatsächlich 
das Ansehen eines innerlichen Leuchtens bekommen, das in 
seiner Entstehungsweise Verwandtschaft mit dem Leuchten der 
glänzenden Lufterscheinungen hat, bei welchen wir gleichfalls 
immer helles Licht durch ein durchleuchtetes Medium hin 
erblicken. Und obgleich sie an Leuchtkraft gegen ihr Vor- 
bild weit zurückstehen, so werden sie sich doch mit derselben 
gegen schon sehr helle Opakpigmente unserer Palette be- 
haupten, so lange wir nur nicht die Thorheit begehen, diese 
in ihrer höchsten Reiiexionskraft, d. h. sehr hoch geschichtet, 
mit ihnen zu unmittelbarem Vergleich zu stellen. Sobald 
dieses geschieht, oder sobald nun gar das Weiss des Grundes 
selbst irgendwo zu Tage liegt, ist es allerdings mit dem An- 
schein des Selbstleuchtens vorüber und wir erkennen an. dass 
wir mittelst der leichten Lasur die höheren Reflectoren viel- 
mehr bedeutend verdunkelt haben. 
Mit andern Worten heisst dieses Folgendes: 
Da unser Ausdrucksmittel für Selbstleuchtendes thatsach-Lfcftiääjfffg 
lich unser höchstes Licht nicht ist, im Bilde aber als solches defvgliiflggin 
aufrecht gehalten werden muss, so werden Bilder, in denen fjääägeäilf" 
es vorkommt, in ihren höchsten Lichtern etwas dunkler aus- kommt- 
fallen, als solche, in welchen wir nur massig Beleuchtetes 
darstellen. Denn in diesen dürfen wir für die höchsten 
Lichter unsere deckendsten Lichtreflectoren unverdunkelt an- 
wenden. 
In der Praxis wird sich aber zeigen, dass geringere Hellig- 
keit der höchsten Lichtcharaktere im Bild nicht auch noth- 
wendigerweise geringere Helligkeit und Farbigkeit der ganzen 
Bildfläche im Gefolge haben müsse.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.