Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Grundsätze der Ölmalerei und das Verfahren der classischen Meister
Person:
Ludwig, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841768
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1843147
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Zweiter Abschnitt. 
gjäegäjlftf Wirkung ausserordentlich gesteigert. Es darf das Blau eines 
"clfjzgäuf- fernen Berges oder eines Dämmerungshimmels dem Intensiv- 
blau an Kraft sehr nahe gebracht sein; so lange es das un- 
gewisse, geheimnissvolle Ansehen seiner Entstehung bewahrt, 
wird es als Luftton charakteristisch bleiben, selbst gegen mattes 
Blaugrau eines mit Positivfarbe gemalten Gewandes im Vor- 
grund oder gar gegen ein mit intensivfarbiger Hochlasur 
auf heller Unterlage gemaltes Vollblau 1). Die schönen Ma- 
donnenbilder des Cinquecento tragen diesen Gegensatz 
zwischen wundervollem Himmelblau' und dem Blau des Ma- 
donnenmantels in höchster Vollendung zur Schau. 
dgreijjläläfflb In der Natur ist häufig das Medienblau durch eine andere 
ljäfääriflfä Farbe gebrochen. Diese Farbe kann entweder die des Be- 
elmifaflfefem leuchtungslichtes sein oder die des Gegenstandes, welchem 
die Medien verlagern, oder es können sich zwei Medienfarben 
gegenseitig beeinflussen und mischen. Wir haben schon ge- 
sagt, dass man immer den Fall der Natur analysiren und 
nach dem Resultat der Analyse sein Verfahren einrichten solle. 
32335;? Die farbigen Lichtzonen des westlichen Abendhimmels 
{gäiilffäi beeinflussen die ihnen gegenüber stehenden Medienschichten, 
Jugäieglfäjglä gegenüber der rothen Zone ist das Blau der Berge Violctlicher, 
gegenüber der Gelbzone das Blau des Himmels grünlicher. 
Der röthliche und der gelbliche Schein werden deutlich als 
Vorlagerndes empfunden und so werde im Bilde danach ver- 
fahren. Das Blau des Himmels und der Berge sei in ge- 
höriger Tiefe und Farbenstarke zu Grunde gelegt, und dann 
werde die Lichtfarbe in Medienschichten von blassem Deck- 
roth und Deckgelb darüber geschummert. Je dunkler und 
lichtabsorbirender die Unterlage ist, desto mehr werden die 
röthliche und die gelbliche Decke blauen. Je heller die Unter- 
lage ist, desto mehr wird sich diese mit ihrem Farbencharakter 
einmischen. Ist die Unterlage heller, als die Decke, so wird 
der warme Medienschein in dieser wach. Wenn dieses ge- 
1) Auch werden sich andrerseits sämmtliehe auf verwandte Weise ent- 
standenen Medienfarben im Bilde gegenseitig erklären und in ihrer Bedeu- 
tung unterstützen.
        

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