Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Grundsätze der Ölmalerei und das Verfahren der classischen Meister
Person:
Ludwig, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841768
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1842103
Vorrede. 
sehen Grundlagen des Darstellungsmittels Colorit, so weit die- 
selben durch die Eigenschaften einer der im Dienste der 
Malerei stehenden Materialgattungen, der Oel- und Firniss- 
farben nämlich, beeinflusst sind. Dennoch ward dieser Ver- 
such von dem Wunsch begleitet, es möchten auch Nicht- 
künstler, und zwar solche, Welche sich mit Vorliebe auf dem 
Gebiet des Begriffebildens bewegen, ihr Interesse nicht Ver- 
saigen. Darf doch Niemand helfen, sich durch allgemeine 
begriiiliche Abstraction zu einem erspriessliche Rundschau 
gewährenden Standpunct über die Gebiete der Kunst zu er- 
heben, sondern hier, wie überall, WO wir ein grosses und un- 
bekanntes Gebiet betreten, kommt es vor allen Dingen darauf 
an, an irgend einer Stelle desselben festen Fuss zu fassen. 
Sei die betretene Scholle auch noch so klein, von ihr aus 
wird der Blick, Dunkles und Irrthiiinliches aufkliirend und 
Neues gewahrend, Weiter dringen. 
Vielleicht erkennt das Billigkeitsgefühl Denkender, dass 
die künstlerische Subjectixiität auf dem von uns eingeschla- 
genen Weg nicht mehr den maasslosen Anspruch der Allein- 
herrschaft ihrerrsinnliehen Willkür erhebt und vielmehr ver- 
nunftgeinäss sich in die Grenzen fügt, Welche uns ähnlich- 
gesehaffenen Monaden gemeinschaftlich gesetzt sind. Und 
hereitwilliger wird uns Künstlern dann Wohl die Forderung 
zugestanden, die wir an die heute  (Äieistes- 
riehtung machen dürfen, die nämlich, dass die Denkenden 
sich zu grösserer Verfeinerung ihrer Sinne aufraffen. Ist es 
ja doch ein mit hohen und edlen (äentissen erfüllter Pfad, 
auf den sie gelangen sollen. 
Und werden alle vereint, Künstler und Kunstgeniessende 
seiner Spur mit ehrliehem Willen folgen, so lindet Wohl zu- 
letzt das klägliche Missverhältniss zwischen glänzender geistiger 
Prämisse und in angelhaftestem materiellem Ausdrueksvermögen, 
Welches das künstlerische Treiben des neunzehnten Jahr- 
hunderts kennzeichnet, sein Ende, und es mag dahin kommen, 
dass die Kunst ihren verlorenen Ehrenplatz wieder erringe, 
und, wie sie selbst gesundet, als die edle Blüthe einer im
        

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