Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1840001
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wenn nicht gar zu Wohlhabenheit führte. Die alte Künstler- 
werkstätte entliess eben Keinen „0hne Steuerruder und 
Kompass", denn wer den Freibrief als Geselle erhalten, 
der war in vielen Dingen wohlerfahren, er stand auf eigenen 
Füssen und durfte sich ohne Scheu an die Seite der Meister  
stellen. Es ging in jenen Werkstätten aber auch wesent- Tllziläliälifglä  
lieh anders zu als in unseren akademischen Zeichnensälen Gitolüezflilzläl 
und Ateliers. Der Meister schaffte inmitten seiner Gesellen Lehrlinge in 
und Lehrlinge, die, je nach dem Grade ihres Könnens, rlcjialtun 
die inannigfachsten Obliegenheiten erfüllten. Vergegen-  
wartigen wir uns nur einmal deren Thätigkeit. Hier treffen Wal Walten" 
wir auf die verschiedensten Vorarbeiten für auszuführende 
Wandmalereien: da werden beispielsweise Zeichnungen 
nach dem Nackten, zu Köpfen oder Einzelheiten gemacht, 
weiterhin werden etwa abgeänderte Gewandmotive, vom 
Meister begonnen, ausgeführt; dort ist vielleicht einer mit 
der Richtigstellung der Perspcctive nach des Meisters Skizze 
beschäftigt oder schon mit der Ausführung der erforder- 
lichen architectonischen Details. Dann werden wiederum 
fertige Partieen schon für die Üebertragung auf die Wand 
in die richtige Grösse gebracht; wiederum sehen wir nach 
des Meisters Entwürfen Zeichnungen für Tapisserien mit 
figuralen Darstellungen und reicher Ornamentation in allen 
Stadien der Entwicklung; weiterhin erblicken wir Altar- 
tafeln in den verschiedensten Phasen ihres Entstehens: von 
der Grundierung der Holztafel bis zur Vollendung durch 
des Meisters Hand vorbereitet; Andere sind mit Miniaturen 
oder Zeichnungen und Pausen für den Kupferstich und 
dergleichen oder für ein mit H0lzschnitt-Illustrationen aus- 
zustattendes Werk beschäftigt, sowie auch mit der Aus- 
führung von Skizzen zu kunstgewerblichen Gegenständen 
aller Art Wiederum finden wir Solche mit der Anfertigung 
Ven Gelegenheits-Dekorationen1) oder der polychromen 
1) Eine gerne erzählte Geschichte von Johann Mabuse, (1- gegen 
1:532) die auch bei J ohanna Schopenhauerx) nicht fehlt, ist charakteristisch 
für die grosse Fertigkeit in der Herstellung decorativer Malereien in 
Jenen Bliithetagen der Kimst. Als Johann von Maubeuge oder Mabnse 
bei dem lNIarquis van der Veren in Diensten stand, wollte dieser den 
berühmten, aber etwas lustigen Meister, Kaiser Karl bei einer feierlichen 
Gelegenheit vorstellen, und schenkte ihm hierzu einen kostbaren Brokat- 
roek; das Kleid aber wanderte in die Hände des Weinschcnläen, und 
Mabuse liess sich dwfiir ein Gewand aus Papier machen, welches er mit 
lilumen so trefflich bemalte, dass es allgemein läewunrlernng herverrief. 
lag v. 
4) Johann van Eyck und Nachfolger. 
Heinrich Wilmans.) B. II. S. 31 u. f. 
(Frankfurt aJM. 
1822. 
Druvk und Ver- 
61k
        

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