Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1839999
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ohne Wissenschaft verlieben, sind wie Schiffer, die ohne 
Stcuerruder oder Compass zu Schiffe gehen, sie sind nie 
sicher, Wohin sie gehend. Er spricht dann im Kapitel 73 
davon 1), „Wie der Maler nicht lobenswerth, wenn er nicht 
allseitig ist", Wiederum eine Besprechung, welche für die 
heutigen Verhältnisse von der allergrössten WVichtigkeit ge- 
worden scheint, und Welche in dem damaligen Thun die 
weitestgehende Erklärung findet. In dem, was Lionardo 
hier wie an anderen Stellen Wünscht, ist nicht etwa das 
Verlangen eines etwas sonderbaren, mehr eigenthümlich 
veranlagten Mannes ausgedrückt, sondern das, was er 
fordert, ist die Forderung seiner Vorgänger, die seine Er- 
fahrung ihn als richtig erkennen liess; eine Forderung, die 
wir übrigens von allen zu Bedeutung gelangten Männern 
beobachtet und empfohlen finden. Hören wir den Anonymus 
Bernensis, der um die Wende des eilften Jahrhunderts 
seinen Traktat geschrieben, erglüht von Eifer für seine 
Kunst und in liebenswürdiger Weise bemüht auch in 
Anderen die gleiche Begeisterung und freudige Schaffens- 
lust zu Wecken, oder blicken wir auf unseren Altmeister 
Albertus Durerus zu dem wir ob seiner staunenswerthen 
Vielseitigkeit und seinem nieversagenden Fleisse fast 
bangend aufschauen müssen, bei Diesem wie bei Jenem 
derselbe Rath, dasselbe Thun, der gleiche Erfolg! -Dürer 
lehrt uns auch verstehen, was Lionardo da Vinci in seinem 
siebzigsten Kapitel verlangt, wo er sagt, „dass man eher 
den Fleiss, als die Schnellfertigkeit erlernen soll", denn 
diese Angewöhnung, die in der Freude an der Arbeit 
gipfelt, führt zu pietatvollem, sich nimmergenügendem Auf- 
merken, Welches die kleinsten Umstände beachten lässt, 
worin häufig, wenn nicht zumeist, namentlich bei Er- 
ledigung rein technischer Arbeiten, der Erfolg zu suchen 
ist.  Hat die Vielseitigkeit, die Mancher wohl mit Zer- 
splitterung verwechselt hat, etwa jenen Männern geschadet? 
Gewiss waren sie Giganten in der Kunst, aber sie sind 
aus den gleichen Verhältnissen hervorgegangen und nur 
durch diese Dasjenige geworden, was sie eben geworden 
sind. Auch ist es leicht nachzuweisen, dass Diejenigen, 
die unter jenen Meistern gearbeitet, eben durch ihre Ge- 
wöhnung und ihr vielseitiges Unterrichtetsein eine Lebens- 
stellung erreicht, die ein genügendes Auskommen sicherte, 
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