Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1839928
stützen, auf die Gefahr hin, dass das in solchen, drei Jahre 
lang magazinirtcn Farben enthaltene Oel längst ranzig ge- 
worden ist? Oder wozu sonst?"   .   lm Weiteren 
bemerkt der Erwähnte, dass die beliebten Vorsichtsmass- 
regeln gegen ein Ausscheiden oder Auslassen des Binde- 
mittels vom Standpunkte des Malers aus ganz unnöthig 
sind. Denn die Bindemittelausscheidung, so führt er aus, 
beginnt bei den davon betroffenen Farben,  man beachte 
das wohl,  frühestens 14-21 Tage nach der Verreibung; 
gebraucht man nun diese Farben früher, so iindet sie nicht 
statt. Bei dem nur massig zur Ausscheidung neigenden 
Neapelgelb erfolgt z. B. die Trennung erst in drei bis vier 
Wochen, wenn man dann aber die ausgetretene Flüssig- 
keit entfernt, bleibt die Farbe bis zu sechs Monaten voll- 
kommen brauchbar. 
Es ist dann noch besonders zu empfehlen, den Pig-Mit dem Gß- 
menten beim Anreiben nicht zuviel, nur das eben erforder- älflullfltetdel: 
liehe Oel zuzusetzen. Bekanntlich unterscheiden sieh die Lgäiyjämz 
verschiedenen Farbkörper sehr in betreff ihrer Aufnahme- 
fähigkeit; durehgehends bedürfen die deckenden Farben 
einer geringeren Quantität Oeles wie die Lasurfarben.  
Sei es nun beim Reiben, sei es später als Verdünnungs- 
mittel beim Malen oder mag man das Oel zum Anreiben 
des Gemalten zum Zwecke des Retouehirens verwenden, 
jede Ueberschreitung des eben Nothwendigenl) rächt sich! 
 Mit dem Oele ist zu geizen, und die besehriinkteste 
Anwendung die beste!  Viele glauben zwar durch die 
Beimisehung sehmalzig machender Mittel: Balsame oder 
Malkunstbutterpraparaten, die Mischung der Farbentönc zu 
erleichtern, den Schmelz der Töne zu erhöhen und dem 
Gemalten eine grössere Tiefe und geheimnissvollen Reiz zu 
1) Die mit wenig Oel hergestellten Blarben sagt Ehrhardt (S. 93) 
bleiben zumeist unverändert und sind am wenigsten geneigt Risse und 
Sprünge zu bekunllnen, während die mit vielem Oel hergestellten Farben 
das umgekehrte Verhalten zeigen. Durch die Anwendung zu vielen 
Oeles erwachsen ausser dem Nachdunkeln, dem Springen und Reissen 
der Farben dem Gemalten aber noch weitere Nachtheile, indem mit der 
Zeit der molekulare Zusammenhang der Farbenpartikelchen eine um so 
grössere Lockerung erfährt, je mehr die Luft an die Stelle verwester 
Ueltheilchen zu treten vermag, was jenes bekannte Stumpfwerden und 
Selbst schlimmere, sich oft reeht hartnäckig erweisende Erscheinungen 
verursacht, über die beispielsweise von Pettenkofer näher (Seite 32 u. f.) 
berichtet.
        

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