Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1839861
schon von Plinius, Dioscorides und Galenus genannt wird. 
Lionardo da Vinci empfiehlt unter dem Titel: „Per fare una 
Pittura d'etterna Vernice", C. 513 seines Buches von der 
Malerei, altes, dickes Nussoel (olio di noce); nähere An- 
gaben fehlen leider auch hier wieder. Hierbei allein an 
Wallnussoel zu denken, ist keine Veranlassung. 
Warum sollte nicht daneben das Oel anderer Nüsse 
zu malteehnischen Zwecken Verwendung gefunden haben? 
Ich wurde bei meinen Untersuchungen auf ein Nussoel 
aufmerksam, dessen sich auch van Eyck bedient haben 
kann, und dessen Benutzung die aussere Erscheinung der 
in jener Periode entstandenen Oel-Bilder nahe legt. Es ist  N 
dies das Product einer Oel-Baumfrucht, welches Candlenuss- Dmßmälllf 
auch Laekbaumnuss- oder Bankulnussoel genannt wird. Baulääi, 
Seine Eigenschaften sind so überraschend, dass es nur  
räthselhaft erscheint, wie dies Oel nicht schon längst zu  
maltcchnischen Zwecken die ausgedehnteste Verwendung  
gefunden hat. Denn schon das rohe, kalt-gepresste Oel 
des Samens des Lackbaumes, der Candlenuss, zeigt beim 
Auftrocknen auf einer Glasscheibe oder einer flachen 
Porzellanschale im Gregensatze zu anderen trocknenden 
Oelen ein beaehtenswerthes Verhalten. Es trocknet gut, 
und dazu behält es nach dem Auftrocknen eine glatte obere 
Flache, wohingegen beispielsweise Lein- oder Mohnoel unter 
den gleichen ausseren Bedingungen nach dem Auftrocknen 
das Bild einer Miniatur-Relief-Gebirgskarte darstellen.  
Gekocht liefert das Bankulnuss- oder Oandlenussoel ein 
noch schneller trocknendes Mittel zur Farbenbereitung als 
Leinoeltirniss. Dabei ist das Candlenussoel licht und klar, 
von unausgesprochenei" Färbung; perlfarben dürfte die rich- 
tige Bezeichnung für die Tonung besagten Oeles sein. 
Diese Farblosigkeit sichert somit die zu bindenden Pigmente, 
die Blatrbkörper vor jeder Beeinflussung des Tones.  Das 
in einer leicht verkorkten Flasche aufbewahrte Bankulnuss- 
oel verdickt schliesslich darin und erhält eine klebfreie 
Oberhaut. Es bleibt auch in diesem Zustande klar und 
und ohne seinen Ton zu ändern. Auf einen flachen 
Porzellanteller etwa 2 IIIID stark aufgegossen, und zwar 
so, wie es der Presseentflossen, trocknete dasselbe glatt 
auf und wurde hart.  ' 
Dass van Eyck die Frucht des Lackbaumes, die Bankul- 
nuss kennen konnte, unterliegt keinem Zweifel; es kann 
sogar nichts die Annahme ausschliessen, dass die genannte
        

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