Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1839847
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hatten die Cölner Meister diese Mittel, woher datirt die 
auch dort so rasch aufblühcndc, umgestaltende Technik? 
Dass diese Entwickelung nicht ebendort erfolgt ist, dass 
es sich um keine lokale Erfindung sondern um eine Üeber- 
ti'agung handelt, ist gewiss. Denn wie sollte sich der 
Cohnarer Meister Martin Schongauer gen' Flandern gewandt 
haben, wo er es schon nahe am Wege haben konnte! Er 
zog aber bekanntlich zu Rogier van der Weyden dessen 
Kunst zu studieren; und dass ihn vornehmlich dessen 
Technik angezogen, erscheint schon deshalb glaubhaft, weil 
es in Cöln an künstlerischen Kräften jeder Art nicht ge- 
brach, was uns das schon in den zwanziger Jahren des 
fünfzehnten Jahrhunderts entstandene Dombild, und die 
Madonna im Rosenhag genügend bestätigen.  Die den 
Handelsverkehr begleitende geistige Strömung führt uns 
aber noch weiter; auch Dürer besass einen besonderen 
Firniss, „den man sonst nicht machen kann", wie er 
an Jakob Hellerl) schreibt, und der sich, wie wir aus dem 
Verlaufe des Briefes erkennen, durch seine Farblosigkeit 
und grosse Festigkeit auszeichnete.  Aus des Genannten 
Tagebücher, die er etwa zwölf Jahre später schrieb, er- 
fahren wir weiter, dass er einen Vetter zu Cöln hatte, 
dessen er nach seiner Ankunft alldort an erster Stelle in 
seinen Aufzeichnungen gedenkt, und den er sehr geehrt 
zu haben scheint. Denn nicht allein diesen seinen Vetter 
Niklas beschenkt er wiederholt und reichlich mitsarnmt 
dessen Frau und Tochter, selbst das Gesinde durfte sich 
des Gespendeten freuen. WVir "finden ihn dann in Cöln in 
sehr einflussreichen Kreisen und sehen ihn zahlreiche und 
Albrvchi: 
Diircrs 
Firniss. 
1) (Dürers Briefe, Tagebücher und Reime etc. etc.   von Moriz 
Tliausing. Wien, 1872. Willi. Braumüller K. K. Hof- und Universitäts- 
buehhänrller.)  
Von Nürnberg schrieb Dürer unter dem 26. August 1509, an 
Jakob Heller in Frankfurt, nachdem er bemerkt, wie er wichtigere 
Theile der Bildtafel schon achtinal! über- und wieder übermalt habe, auf 
(lass sie lange Zeit dauern. Er verspricht sich, dass sie 500 Jahre 
sauber und frisch bleiben werde, "da sie nicht gemacht, wie man 
sonst zu machen pflegt."  „Und komme ich," schreibt er weiter, 
"etwa über ein Jahr zwei oder drei zu Euch, so muss man die 'I'afcl 
abheben. NVenn sie dann recht trocken geworden ist, so würde ich sie 
von Neuem mit einem besonderen Firniss, den man sonst nicht 
machen kann, auf's Neue überfirnisscn; so wird sie dann abermals 
hundert Jahre länger stehen als zuvor      Lasst sie aber sonst von 
Niemanden mehr iirnisscn, denn alle anderen Firnisse sind gelb, und 
man wurde Euch die 'l'afel verderben."
        

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