Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1839822
Sei, sondern ein solches, das von Oelbaumfrüehten her- 
rührt. Dieser Gedanke befestigte sich um so mehr, als 
ich meine Beobachtung nach wiederholter, sorgfältiger 
Prüfung der Bilder van Eyelis, jener des Rogier van der 
Weyden, Memling und anderer nur bestätigt fand. Eine 
Untersuchung der Werke jüngerer Meister, sowohl solcher, 
bei denen der Einfluss der iiandrischen Schule unver- 
kennbar, als auch bei Bildern anderer Richtungen, die 
Sich durch eine weit freiere, noch erhöhtcre Ansprüche an 
die Verwendbarkeit des Malmateriales bekundende Technik 
auszeichnen, ergab ausnahmslos das gleiche Resultat. Auf 
Grund meiner vielfach und vielseitig angestellten Be- 
obachtungen und gesammelten Erfahrungen, Will ich in 
Naehstehendem die besonders für das Kunstleben so hoch- 
wiehtige Frage nach dem zu jener Zeit benutzten 
bindenden Medium zu lösen versuchen, jene Frage, die 
Künstler und Fachgelehrte viel beschäftigt, deren Lösung 
aber trotzdem noch aussteht. 
Wenn wir die einschlägige Literatur verfolgen, dann 
begegnen wir durchaus entgegengesetzten Ansichten, und 
unser Suchen bleibt ungelohnt. Der einel) sieht, um. nur 
ein Beispiel anzuführen, van Eyclis Erfolg in der Be- 
nutzung absolut reiner Oele, der anderez) erblickt gerade 
im Gebrauche naturreinen Oeles die ehemalige Mangel- 
haftigkeit!  Beides trifft nicht zu.  Meine Erfahrungen 
gestatten mir nun die Erklärung abzugeben, dass man in 
der Vor-Eyeksehen Zeit solches Leinoel zu Malzwecken 
verwendete, das aus nicht-ausgereiftem Samen ge- 
Schlagen worden, nämlich aus solcher Leinsaat, die vom 
Lein als Gespinnstpiianzen geerndtet worden. Die Gre- 
Winnung des Leinoels hatte nur seeundäre Bedeutung, die 
Hauptsache war der Flachs; man gewann aber mit letzterem 
die Samen, die man naehreifen liess und zur Gewinnung 
des Oeles als genügend erachtete. Die zur Aussaat ge- 
zogene Pflanze hatte eben nur diese Bestimmung, und 
dürfte die Benutzung solchen Samens zum Oelpressen als 
zu wenig nutzbringend erschienen sein. Für das Gesagte 
mögen Thatsachen reden.  In den Maas- und Niers- 
niederungen, jenen, der Pilanzstatte der neuen Kunstweise 
in 
1) Secco-Suardi di Bergamo (memorie sulla scopcrta erl intrmhlzinn 
Italia. delP odierno sistemn clel dipingere ad olio) Milano, 1858. 
2) Ch. Blanc, IIist. des peintres, van Eyck p. 4. 
T:
        

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