Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1839737
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zur kalten Pressung der Samereien wie Nüsse vollständig 
hin. Dabei hat der Pressende den Vortheil, den Druck 
nach der Empfindung seiner Hand, stärker oder weniger 
stark, und mit Rücksicht auf das Aussehen, auf die Be- 
schaffenheit, auf den reicheren oder geringeren Abfluss des 
Oeles, diesen Druck erhöht oder vermindert wirken zu 
lassen; Hand und Auge zeigen ihm das Richtige. Das 
Oel unter zu grossem Druckel) ausiiiessen zu lassen, wie 
es heute geschieht, empfiehlt sich für mal-technische Zwecke 
nicht. Ebensowenig dienten zu gedachtem Zwecke die 
alte Schlägellaeilpresse und die sogenannte holländ. Keil- 
oder Rammpresse, wobei die Auspressung des Oeles unter 
zu grosser Erschütterung erfolgte. Auch ist die fabrik- 
massige Art des Zerquetsehens, des Zerkleinerns des 
Samen im Stampf, Walzwerk oder Kollergang für den 
gedachten Zweck nicht zu empfehlen; denn diese Weise 
iiihrt zur ersten und schlimmsten Verunreinigung der Oele. 
Denn man muss wohl berücksichtigen, dass die Samen in 
ihren Zellgewveben  neben dem Oele  Eiweisskörper, 
Harze, Zucker, Gummi, Schleim und Salze enthalten, 
welche durch das Zerreissen und Zermahlen der Samen- 
hülle und Zellgewebe in der erwähnten Weise gewaltsam, 
schon mechanisch zu mehr oder weniger inniger Verbin- 
dung geführt werden. Weit schlimmer noch wirkt eine 
Neueinrichtung, der zufolge man heisse Dämpfe in die 
durch Walzen zerquetsehte hermetisch eingeschlossene 
Samenmasse strömen lasst, wodurch es möglich wird, bei 
nur einer Pressung Oel und Kuchen zu erhalten Es 
wird aber Jedem einleuchten, dass das Eine wie das 
Andere vermieden werden muss. Denn diese ins Oel 
tretenden und sich mit demselben misehenden Samen- 
Bestandtheile, nebst den thcils sichtbaren, theils mikros- 
kopischen Faser- und Gcwebetheilchexi in Verbindung 
bekannter und unbekannter organischer Stoffe, können nur 
dazu dienen, den Verfall zu begünstigen. Mechanisch sind 
dieselben nur in geringem Masse zu entfernen, dieselben 
chemisch dem Oele zu entziehen, empfiehlt sich aus vielen 
Gründen nicht; auch würde letzteres Verfahren, wie be- 
kannt, nicht einmal zu einer vollständigen Reinigung 
führen. Die mit dem ausgepressten Oele vermischten 
1) Bei den hydraulisuhcn Pressen 
Kilogramm pro Quadratccntimotur. 
400 
erreicht 
der 
Druck 
schon 
uahe
        

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