Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1839709
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lich sind; die Erfolge der landwirthschaftlitzhen Chemie und die 
exaete Forschung nimnie1'ii1iider Praktiker haben uns aber längst 
über die Gefahren einseitiger Düngungen aufgeklärt. Ist dies 
aber bei Halin- und Hackfrüchten der Fall, so können Oel- 
gcwächse und Gespinnstpflanzen hiervon keine Ausnahme 
machen; und dieser Umstand ist für unsere Betrachtung von 
ausserster Wichtigkeit. Wie wichtig dies ist, mögen nach- 
stehende Fälle näher darlegen. Zur Entwickelung starker Itlalme 
(beim Getreide) ist Kali nothwendig, fehlt es daran, hat nur eine 
einseitige Stickstoff- oder Phosphorsäturedtingung stattgefunden, 
dann giebt es Lagerfrucht oder Frühreife; und die schönsten 
Aussichten sind hin. So ist die Kartoffelfrtlcht kalibegierig, und 
wenn beim Weinstöcke Stickstoff und Phosphorsäure ein leb- 
haftes Wachsthum hervorrufen, so erhöht das schwefelsaurc 
Kali das Gewicht der Erndte und den Zuckergehalt der Trauben. 
Wiegt bei der Zuckerrübe der Stickstoff vor, der die 
Circulationsfähigkeit der Säfte begünstigt, so reift die Rübe nicht 
aus, eine zu starke Phosphorsäure-Düngung bringt dagegen auch 
hier den Nachtheil einer Frühreife, indem sie die Wanderungs- 
fähigkeit der Säfte herabdrückt und so die Lebensdauer kürzt. 
Die Znckerrübe verlangt alte Bodenkraft und nachtheilig ist 
ihr jede frische Düngung; doch mehr noch als das; bekannt ist, 
dass Ammoniaksalze, bevor sie sich in Salpetersäiure umgewandelt 
haben, schädlich auf die junge Rübenpflanze wirken, und dass 
wiederum eine vorwiegende, und eine auch nur starke Salpeter- 
düngung, zwar das Gewicht vermehrt, aber den Zuckergehalt 
herabrnindert. Das, was sich aber beim Zuckerrübenbau als 
nothwendig erwiesen, das verlangen die Oelgewächse und Ge- 
spiunstlaflanzen in noch hervorragenderem, mindestens in gleichem 
Masse; dies wissen wir vom Lein, dem Flachs, dies ist uns 
gleicherweise vom Mohn bekannt, denn auch er verlangt alte 
Bodenkraft, weshalb er einer gut-gedüngten Vorfrucht folgen 
soll. Leider haben die Oelpflanzen bislang weniger Beachtung ge- 
funden. Doch steht es nach dem Gesagten auch für den Laien 
in der Landwirthschaft wohl ausser allem Zweifel, dass der 
Einfluss des Anbaues, der Düngung, auf die in den Oelsamen 
sich bildenden Fettgemengen nicht unterschätzt werden darf. 
Es muss auf diesen Einfluss die Aufmerksamkeit der Fach- 
gclehrten um so mehr gelenkt werden, als die bisheran ge- 
gebenen Anweisungen in diametralem Gegensatze zu den früher 
geübten oder angewandten Verfahren stehen. Prof. Dr. Paul 
Wagner sagt (leshall) zu der Düngung der Oelfrüchte und Ge- 
Spinnstpflanzen mit einiger Reserve: „soweit die Erfahrungen
        

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