Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1839686
Genannten zur Verfügung gestanden hat. So überraschend 
für Manchen die Antwort auch klingen mag, sie lautet: 
,nein', denn über ein Oel der gleichen Qualität verfügen 
unsere Lieferanten nicht. Dies werden die weiteren ein- 
gehenderen Darlegungen zur Genüge bestätigen. 
Das Leinöll) aus dem Samen des Leins oder F laehses 
gewonnen, ist sehr verschieden in seiner Zusammensetzung. 
Die beste Leinsaat für maltechnische Zwecke ist die 
Rigaer- oder baltische Saat; und nicht etwa die Schlag- Die LeinSna-f. 
leinsaat, sondern die Saeleinsaat, mit anderen Worten, ein 
ausgereiftes Saatkorn; sie ist die an LinoleinßjGehalt 
reichste Saat; sie wird auch deshalb im Gegensatze zu 
den anderen, mehr Fettstoife oder Fettgemenge enthaltenden 
Leinsaaten, als magere Leinsaat bezeichnet. An zweiter 
Stelle ist die Asovsdsche-Saat, jene aus den Häfen des 
Schwarzen Meeres kommende zu nennen; als beinahe 
gleichwerthig darf das aus hollandischem Samen gewonnene 
Leinoel bezeichnet werden. Auf die procentuale Zu- 
sammensetzung der im Leinoel heute bekannten Gemenge, 
haben äussere, scheinbar ferner liegende Verhältnisse ganz 
ausserordentlichen Einfluss S0 die Art des Anbaues, die Dem" Beein- 
Bodenverhältnisse, die Düngung, die Witterung, die Reife fhrslmg  
des Samens; weiter ist für die Güte, die Zweckdienliehkeit läällmllm 
des Oeles die Zeit und die Art des Pressens durchaus beschaffen- 
Iliaht belanglos. Deshalb ist eine eingehendere Betrachtung llßif- 
1) Max von Pettenkofer bezeichnet das Leinöl als ein Gemenge 
von Fetten; es enthalten dem Genannten zufolge 100 Theilel 10 Theile 
Myristin St Palmitin, lO Theile Elain und 80 Theile Linolein.  
2) Obschon es meine Absicht ist, das eigentlich wissenschaftliche 
Gebiet nach Möglichkeit zu meiden, so muss ich doch einige allgemein- 
verständlich bleibende Bemerkungen einschalten.  Die pflanzlichen 
Qele, welche in der Folge lediglich hier in betracht kommen, werden 
111 Oleiilhaltige Oele, oder nicht trocknende und Linoleinhaltige 
oder troc knende Oele eingetheilt. Das Linolein hat  nach Pettenkoter 
 die merkwürdige Eigenschaft. an der Luft fest und trocken zu 
Werden, und zeigt, entgegen anderen trocknenden Körpern, die weitere 
Eigenthiimlichkeit, weder an Grösse noch an Gewicht abzunehmen; im 
Gcgentheile, es nimmt etwa 10-12 Procent zu. Das Linolein ist eine 
zähe, (lurchsichtige kautschukartige Masse, die weder in YVasser, 
WVeingeist, Aethcr, aetherischexi- noch fetten Oelen gelöst werden kann. 
YVänne (KlOP Kälte sind von gleich geringem Einüuss auf das einmal 
Wlliirtete Linolein. Obschon auf diesem Gebiete hoehintmwressante Er- 
gebnisse zu Tage gefördert werden sind, so ist dasselbe dennoch ein ziemlich 
(lunkeles, dessen weitere Erschliessung reichen Lohn verspricht. Den 
Wunstaln, das Linolein ausgeschieden zur Oelmalerei verwenden zu 
können, hat die Chemie bisheran nicht eriiillt. 
        

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