Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1839635
verfertigt werden. Man verschönert sie sehr (lurch Bcimischung des 
eleodorischenik) Wachses in Wasser aufgelöset, oder des Wachsgunnnfs, 
indem sie dadurch zwar nicht dauerhafter und fester, aber ungleich 
glatter werden. 
Auf solchen Tafeln von Holz, Stein, Iieinewantl, lllaueriverk, oder 
sogenztnxiter griechischer und hetrurischer Mauerspeise, 
malten die Alten, und auch Andreas del Sarto, Raphael und andere 
grossc Künstler, die auf weissem Grund arbeiteten; und es ist un- 
richtig, wenn man sie, wie einige thaten, für Kreide- oder Gypsgründe 
halten wollte."  Da es sich bei der vorliegenden Arbeit darum handelt, 
ein übersichtlich geordnetes und umfassendes Material zur Weiter- 
forschung zu bieten, so darf mit Rücksicht auf das in der vorstehenden 
Anmerkung Gesagte noch einer Stelle aus den: "Notions zur Plcnno- 
graphie Sacrec en Russie par J. Sabatier, St. Petcrsbourg 1849, gedacht 
werden. Da heisst es nälnlich Seite 29: „Die Bilder wurden auf eine 
Unterlage von Lcukas mit Farben gemalt, welche mit Eigelb (melees 
de jaunc dbeuf) angemacht, vermischt waren, und welche man nachher 
glättete, (glänzend machte oder sie vollendete oder an die man 
nachher die letzte Hand legte) wie der französische Text: „et 
puis on les polissait"  wiederzugeben gestattet.  Sabatiei" sagt nun 
in einer Anmerkung: „Leucas"       du mot grec Äsvuög (blaue) 
s'cntend d'une couchc de fond, faite an moycn de eraie delayee a la 
colle, qu'on appliquait sur la planche, avant de peindre."  Schäfer 
giebt zu seiner Uebcrsetzung jener Mittheilungen aus der russischen 
heiligen Iconographie auch eine diesbezügliche Anmerkung und sagt: 
"Lenkas, vom griechischen Äevnög, weiss".  Die Erklärungen des 
WVortcs Äezmög mit "blaue" oder „weiss" sind für uns aber nicht ge- 
nügend, es verweist uns vielmehr auf die von Calau angestrebte Ver- 
schönerung der mittelst Kalk und Käseleim hergestellten liinlgriinde, in- 
dem jenes Wort eine viel weiter gehende Bedeutung gehabt hat, und neben 
der Bezeichnung für "weiss" als Farbe, im Gegensatze zu pälag (schwarz, 
dunkel), auch einen lichten, hell leuchtenden oder glänzenden Gegen- 
stand erkenncn lasst; und so linden wir es vom Schnee, vom Marmor, 
vom Elfenbein, vom Weiss des Eies oder eine weisse Ilautfarbe und 
zarte Schönheit auszudrücken, gebraucht. Hierdurch gewinnt aber die 
Anlage des Grundes mit Rücksicht auf die Erscheinung des Bildes eine 
wesentlich erhöhte Bedeutung. Wenn es daher im WVeiterexi bei Schäfer 
hcisst: "Leukas,     "weiss", ist eine Grundfarbe, welche mit Kalk, 
der mit Leim zerrührt ist, auf das Holz gelegt wird" so ist dannit die 
Sache nicht ausreichend erklärt. Dabei muss es aber auffallen, was 
einen Mann, wie Schäfer, bewogen haben kann, von Kalk (la chaux) 
zu sprechen, wo Sabatici" deutlich von Kreide (la craie) spricht. Indem 
er weiterhin von diesem, dem Kalkc zugeriihrten Leim redet, scheint er 
nach dem Beispiele des Schreibers der Ilermeneia ebenhier Bekanntes 
vorauszusetzen; denn von einer Zugabe an thierischem Leime kann man 
sich doch wohl wenig versprechen, anders wäre es, wenn er die Be- 
zeichnung Leim ganz im Allgemeinen, als Kitt  oder Bindemittel ge- 
 S. 102 ebendort: "Dieses sogenannte panische oder elendörisehe Wachs, 
besteht aus vier verschiedenen Arten, für welchen ich zugleich für den. welcher 
Versuche damit anzustellen Willens ist, die Preise beifügen will. etc. etc. Diese 
Arten von Wachs sind noch jetzo für den angezeigten Preis, bei der Familie des 
scel. Calau's (des Erfinders) zu haben."  
(Bemerkt sei noch, dass schon Homer, Od. IX. Ges. 225, den Käse erwähnt, 
wie auch selbiger bei Athcnaeus lib. IV. C. 13, Fol. 82 als recht bekannt erscheint.)
        

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