Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1839620
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theilen, als auch an bildnerischen Werken älterer Epochen, 
wo sich der goldene Schnitt in der Proportionirung des 
Einzelnen, wie in der Vertheilung der Massen {igurenreicher 
Kompositionen ausspricht; ja, Wir erkennen ihn deutlich 
nachweisbar selbst in den Dispositionen geringfügigerer 
Darstellungen. Und wenn Cantorl) mit Rücksicht auf das 
Auftreten des goldenen Schnittes in der Baukunst der 
perikleisehen Zeit sagt: „Wir können bei solcher Regel- 
lnitssigkeit des Auftretens nicht an ein instinktives Zu- 
treffen glauben",     dann möchte ich dies auch auf das 
vorher Gesagte beziehen.  Dass Aegypten in maltechnischer Ucber 
Beziehung Vieles zu bieten hatte, bestätigen uns die bisheran jäfgfilttfi"? 
an Malereien schon angestellten Untersuchungen zur Genüge. im  
Erwiesen ist zunächst der Gebrauch von thierischem Leim, 
Wachs und Eiweiss, ferner die Anwendung von Firniss 
und sonstiger noch nicht festgestellter organischer Stoffe 
zu Bindemitteln. Welcher Art die organischen Stoffe 
waren, werden gewiss weitere, quantitativ Lunfangreichere 
Untersuchungen klar stellen helfen. Gewiss ist, (lass 
Derjenige, welcher die Verwendung von trocknenden 
Oelen und vielleicht auch von Käsestoff, von welelf Kßisestotf. 
letzterem Theophilus Presbyter in seiner Schedula diver- 
saruni artiuniz) schreibt, für eine verhältnissmässig junge 
hält, sich mit der Zeit wohl noch zur Anerkennung eines 
höheren Alters gezwungen sehen wird. Denn da sich 
heute das Bekanntsein mit Harzen, trocknenden Oelen und 
jener, den Trocknungsproeess dieser beschleunigenden 
Mittel unschwer bis in's höchste Alterthum zurückverfolgen 
lasst, so kann es uns nicht überraschen, wenn wir dem- 
nächst auch den Gebrauch von Käsestoff3) als integrirenden 
Thcil eines Bindemittels nachgewiesen sehen. 
1) S. 151. (Center, Geschichte der Mathematik.) 
2) B. I. C. XVII. (de glutine casei.) 
3) Zum Beweise, wie man dem Käsestoii, dem Casein oder Käse- 
leim schon verschiedentlich Beachtung geschenkt, mag noch folgende 
Stelle aus dem NVerke: "über die Malerei der Alten" von H. Riem, 
Pr. zu Berlin, ebendort 1737 bei Friedr. Maurer erschienen, hier Platz 
finden. (Das genannte Werk ist den Königl. Preuss. Staatsministern: 
den Grafen v. Hertzberg, Grosskanzler Freiherrn v. Carmer und Frei- 
herrn v. Heinitz zugccigilct.) Es heisst dort S. 104: "Lessing, in seinen 
Noten  vmn Alter der Oelmalerei aus dem Theophilus Presbyter, 
spricht vom Käse, als einer Materie, die zu einem Leim sehr (lienlitzh 
sei. Aber nicht nur hierzu ist er sehr gut anzuwenden, sondern besonders 
auch zu Tafeln, welche aus diesem Käseleim und ungelüschtcm Kalk
        

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