Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1839576
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Tanz. 
Gastfreund- 
Schaft. 
beim K010i) bei der Heimkehr vom Felde, beim Fest- 
schmauss und bei fröhlichem Gelage und vielen anderen 
Gelegenheiten gesungen wird. Festhaltend an der Väter 
Brauch, übt man in den genannten Landen die Gast- 
freundschaftg) fast bis zur Verschwendung. Gleich so, 
wie diesen Brauch schon Homer von dem treifliehen Sau- 
hüter Eumäos, dem Rufer im Streit Menelaos, dem ge- 
priesenen Held Alkinoos, ruhmvoller Phäaken mächtigster 
König, und der sinnigen Penelopeia berichtet. Gleicher- 
weise wie im alten Hellas findet auch dort Noth und Ge- 
fahr ein Volk von Helden, wie freundliches Begegnen dem 
friedlich Nahenden zu theil wird. Es ist jenes Volk, das 
niemals ganz unterjoeht, dem Südosten Europas eine 
lebendige Schutzmauer gegen die vordringenden Osmanen 
geworden ist; häufig hat es den Sieges-Päan angestimmt, 
doch auch seine Thermopylen gehabt. Völlig erkennt man 
erst dies Volk bei Betrachtung seines künstlerischen 
Schaffens. Jene Tugenden, die wir bei den Griechen 
bewundern, finden wir in hervorragender Weise auch dort. 
Waren die Männer bereit, wie zum friedlichen Landbau 
so zur Vertheidigung der heimathlichen Grenzen, so 
1) Der bei den Siidslaven übliche Ringelreigen, der von Gesang 
begleitet und von einem Dudelsackbläser unterstützt wird.  Wenn uns 
berichtet wird, dass die Kinder vornelnner Griechen schon frühe zum 
Tanze geübt wurden, um namentlich bei religiösen Festen, wie es bei 
den Aepyptern und Israeliten gleichfalls. geschah, den kunstvoll ver- 
schlungenen Reigen unter Gesang und Musik zu tanzen, so finden wir 
in den oben erwähnten süd-slavischen Landen heute noch dieselbe 
Uebung. Mit Grazie und Ruhe erfolgt der Tanz, dessen Rythnius nicht 
den Gesang stört, obschon sich beides bis zum Ausdrucke der Leiden- 
schaft steigern kann.  Unvergesslich bleibt mir der Anblick der auf 
der Wiese vor der Kirche tanzenden Mädchen, die in ihren weissen, 
feingefältelten Kleidern mich lebhaft an die Stellen l-Iomefs erinnerten: 
"Aber die blühende Fürstin Nausikaa hub den Gesang an" und „S0 wie 
Artemis herrlich einhergeht",    Selbst die Bewegung der Fiisse, ein 
Chatrakteristicum des Tanzes, über das uns Homer berichtet, besteht 
auch heute noch dort: "aber Odysseus", singt ja der Mäonide, "sah das 
rasche Gezitter der Fiissß anstaunenden Geistes".  YVeiter sehe nuul 
Hom. Ilias XVIII. Ges. 593 u. f. 
"Lieb  ist wie ein Bruder, ein Gast und nahender Fremdling 
"Jedem Mann, der im Herzen auch nur ein weniges fiihlet. 
Hom. 0d. VIII. Ges. 546. 
"Thetis in langem Gewande, wie nahest Du unserer WVohnung 
"Ehronwerth und geliebt? Denn sonst  besuchst du mich wenig. 
"Aber komm doch herein, dass dir ich biete das Gastrecht. 
Weiteres Anhang 19. Hom. Il. XVIII. Ges. 385 u. f.
        

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