Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1839532
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etwa zweifaustrlicken Klatschkäse, auf den er ein Salzfass um- 
stülpte und in den Salzhügel einen goldenen Bing aufrecht 
stellte. Nun nahm er einen Apfel worin er einen Dukaten 
steckte, welchen er darauf den übrigen Gegenständen beifügtte. 
 Mittlerweile hatten die Freundinnen die Braut versteckt, und 
verkauften dieselbe nach einigem Handeln den diese suchenden 
Männern. (Sind es auch nur Kreuzer die gezahlt werden, so 
heissen sie doch Hochzeitsdukateni). Im Saale war mittlerweile 
der Tanz erfolgt, der sich reigenartig, aber als offene Kette, 
von einem Dudelsackbläsei" geleitet, zwischen dem langen Tische 
mit den der Länge nach vor diesen hingcstellten Sitzbänken 
und den die Langseiten des Saales einnehmenden, mit reichen 
Decken, gesticktem Linnen wie vielen hochgethürmten vielfarbig 
verzierten Kopfkissen geschmückten Betten stets im Kreise unter 
leisem Gesange, ungestört um die sich hier und dort bildenden 
malerischen Gruppen, bewegte.  Nun wurde die Braut von 
einem jüngeren Bruder in den Kreis der ernstdreinschauenclen 
Männer geführt, der dafür laut von dem Bräutigamsvater einen 
Zwanziger verlangte, der auch ganz geschäftsmässig gezahlt 
wurde. Die Braut, weiss gekleidet, scheinbar nur mit dem 
Nöthigsten angethan, ein grosses weisses Tuch über den Kopf 
gezogen, trat nun an den Tisch heran. Sie steckte den Bing- 
finger durch den Bing in's Salz, verhüllte darauf die Hand mit 
einem seidenen Tuche und fasste so den Apfel; wortlos erfolgte 
die ganze Scene. Mit dem letzten Akte hatte sie sich ver- 
lobt und vergeben. So, wie sie den Apfel gegriffen, trat sie 
zurück, warf sich über das nächste Bett und weinte. Sofort 
in dichtem Kreise von den Frauen der Zadruga umringt, begann 
die Braut-Toilette. Als sich in kürzester Frist der Kreis wieder 
öffnete, zeigte sich die Braut, mit Blumen die gewöhnlich 
schon überaus kunstvoll geflochtene Haarkrone geschmückt, und 
einen Rosmarinzweig quer über die Brust gesteckt. Nun er- 
hoben sich die Männer zu kurzem Gebete, worauf Alle den 
Saal verliessen.  Die ganze Ceremonie, die ich hier in ihren 
einzelnen Momenten nur angedeutet habe, hatte etwas Ergreifendes; 
nach der Bedeutung des Apfels frug ich vergebens. Kennt 
man sie nicht oder bewahren alle Wissenden wie früher das 
Geheimniss?  Zu einiger Aufklärung und die Herleitung jeden- 
falls weiter sichernd, führe ich einen Hochzeitsbrauch der 
lateinischen Christen zu Sidon an, wie ihn uns Georg Ebers in 
seinem "Palästina" S. 66 schildert. „Die Braut wird von allen 
geladenen Männern und Frauen zu dem Hause des Bräutigams 
geleitet, und in den Strassen, die der Zug berührt, sprengt man
        

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