Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1839523
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auf den Wagen gehobenen offenen Sarg trat, das Kissen mit 
dem Haupte der Todten hob und Aepfeldarunter schob. Dies 
geschah aber nicht. etwa in Folge einer krankhaften Anwandlung 
bei einer exaltirten Person, vielmehr erfolgte dieser Auftritt im 
Beisein vieler Leidtragenden, welche diesen Akt als etwas ganz 
Selbstverständliches, fast als 0b sie noch auf diesen Akt ge- 
wartet, betrachteten. Desgleichen beobachtete ich bei eben dieser 
Gelegenheit das Offenstehen sämmtlicher Thüren des Hauses wie 
der iVirtlis-cliaftsriiuine beim Verlassen des Leichenzuges, um zu 
verhüten, wie man mir erklärte, dass von der nun scheidenden 
im Hofe nichts zurückgehalten werde, die in all' jenen Räumen 
gewaltet. Um sich also, kurz gefasst, vor Spuken zu bewahren. 
 Dass es sich hier um ererbte alt-heidnische Gebräuche 
handelte, bewies mir deutlichst die Schlussscene auf dem Fried- 
hofe. Hier trat der jüngste Sohn nach erfolgter kirchlicher 
Einsegnxmg nochmals an's Grab der Mutter und warf Geld hinab. 
War auch die Form eine andere, die Erinnerung an den Obulus 
zeigte sich bewahrt. 
Es geschah Alles Dieses in einer streng-gläubigen Familie, 
Wo warmes religiöses Empfinden herrschte.  So wohnte ich 
zu Prkovici, in der ehemaligen Militärgrenze der Hochzeitsfeier 
in einer grossen Zadruga bei, wo ich die Verwendung des Apfels 
bei der der kirchlichen Trauung voraufgegangenen Verlobungs- 
Ceremonie beobachtete.  Die Braut begegnete uns schon in 
der Frühe in Begleitung einiger Freundinnen und plauderte 
Scheinbar in den Tag hinein, als ob sie das Fest gar nicht an- 
Qlngß- (Es geziemt sich nämlich für die Braut, dies 
Benehmen den ganzen Tag zu beobachten.) Bald jedoch 
begann schon die Ceremonie. Einige Männer aus der Ver- 
wandtschaft des Bräutigams nebst dessen Vater, setzten sich an 
das Kopfende des langen Tisches im VVinterschlafsaale. Angethan 
mit (lunklen Filzmänteln (es war am Tage nach Martin, am 
12. November), geschmückte Hüte auf dem Kopfe, sassen sie 
allda mit grossem Ernste, sprachen selten und wenig. Der 
Vater des Bräutigams entnahm nun zunächst ein sonderbar 
VßPZiertesf) grosses miirbes Weisslorod einem 'I'uche, und 
schob  in die Mitte des Tisches vor dem die Männer sassen. 
E? legte nun ein Stück Rauehfleisch darauf, und dann einen 
 I) Mit spiralfürlnig gebildeten nnfgebackennn '_l'eig'nnde1n, und 
ÄYVFIP solchfzr Form, dic Prof. Dr. läliimner (das Kunstgewerbe im Alter- 
fnmß) mnt Anderen, als indogcrnlanische oder arisclle bezeichnet und 
(110 als der Anfang hellenisclncn- Knnstweise gilt. 
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