Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1839430
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nur als eine herrliche Nachblüthe zu bezeichnen. Denn 
auf dem Gebiete der Webe- und Blärhekunst galten die 
Aegypter schon früh als Meister. Desgleichen im Bronee- 
guss, der Goldsehmicdekunst, der Waffcnfalurikation; die 
gleiche Erfahrung und Gewandtheit bekunden sie in den 
Elfenbein- und Holzarbeiten, und wenn sie in der Papyrus- 
tabrikation unerreicht waren, so wurden sie in der Stein- 
schneidekunst und der Behandlung des Glases wenigstens 
nicht übertroffen. Die hohe Entwickelung, die gleichzeitig 
der Schiffbau erfuhr, hob den Verkehr, und führte der 
weitreichende Handel ungeinessene Reichthünier dem Lande 
zu.  Gross sind alle Lebensausserungcn, denen wir in 
diesem Lande begegnen: gross war es in seinen wissen- 
schaftlichen Leistungen, gross in Beherrschung der ihm 
durch die Natur gebotenen Mittel, deren vereintes Zusammen- 
wirken wir in den, gewaltsamer Verwüstung wie der Zeit 
trotzenden Bauten und den auf die Hebung des Acker- 
baues  des Landes Kraft  hinzielenden Nilregilliertingen, 
bewundernd anerkennen müssen, die an Grossartigkeit der 
Anlage und zielbewusster Durchführung ihres Gleichen 
suchen. Doch wie dem Grossen, so wurde auch dem 
Geringeren jene Sorgfalt zu theil, die wir bei so allseitig 
gereiften Anschauungen voraussetzen dürfen, und schlossen 
sich dementsprechend auch die Werke der Kleinkunst 
würdig jenen Gesammtausserungen an.  Fünf Jahr- 
tausende trennen uns von der Zeit des Chefren und seiner 
Nachfolger, der Erbauer der grossen Pyramiden von 
el-Gise. Diese Pyramidenbauepoche war eine Zeit ruhigen 
Wohlergehens. Alles tragt den Stempel des Friedens. 
Am Griffe des Piluges und Handwerkszeuges und nicht 
an dem des Schwertes härtete sich die Hand des gemeinen 
Mannes (G. Ebers). lnnig und würdig zeigt sich uns 
das Familienleben zu jener Zeit; Frohsinn und harmlose 
Lebenslust aussern sich unverkennbar. Bezeichnend für 
das Verhältniss zwischen Fürst und Volk ist es, dass 
Ameni, aus der Zeit der XII. Dynastie, ein in den Grüften 
zu Beni-Hasan beigesetzter Grosse, sich rühmt, dass er 
keine Wittwe bedrückt, keinen Bauern bedrängt, keinen 
Hirten vertrieben; kurz, dass kein Mensch zu seiner Zeit 
elend gewesen sei. Denn als die Hungersnoth herein- 
gebrochen, habe er die Aecker bis zu den Grenzen seines 
Gau's bestellt, und Speise seinen Bewohnern gereicht; 
kein Hungernder sei in jenen Tagen gewesen.  Von den
        

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