Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1839366
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der damaligen Welt wie eine Art Nationalheiligthum, und 
diesen Charakter hat er bis zur Stunde bewahrt. Galt 
einst der Athos als eine Warte des Heidenthums, so ist 
er heute ein Leuehtthurm allen Orthodoxen in Byzanz. 
(Fallmerayeit) Wo sich jetzt das Kirchlein Maria 
Himmelfahrt erhebt, soll derzeit auf der Spitze des Berg- 
kegels ein kolossales Bild des thracisehcn Jupiter gethront 
haben. Auch wissen die Legenden bei Einführung des 
(Öhristenthums von einem wunderbaren Sturze der Götter 
alldort zu berichten, dem eine allgemeine Bekehrung ge- 
folgt sei. Alle diese Nachrichten haben für uns inso- 
weit nicht geringe Bedeutung, als sie die Annahme sichern, 
dass alte dort bestehende Gepflogenheiten nicht unterbrochen 
werden isind, sondern eine Fortsetzung gefunden haben 
müssen. Geschichtlich ist zunächst festgestellt darüber belehrt 
uns eingehend Herodot, dass sich fünf-bewohnte Orte dort 
befanden, deren Reste heute gewiss verschiedene der grossen 
Convente bedecken; auch bei Thueydides (lib. lV. O. 109.) 
geschieht dieser Orte und ihrer Bewohner Erwähnung. Wir 
wissen auch, dass ein grosses Ileidenfest einmal im Jahre 
samintliehe Bewohner wie fern herzuveeilte Pilger dort 
versammelt sah, genau so, wie dies adieh heute noch am 
Ü. August alten Stils alljährlich geschieht; an diesem Tage 
decken sich die Steige, die zu dem Gipfel des Bergriesen 
pnd seinem über schwindelnden Abgründen thronenden 
{irehlein führen mit Wallfahrern: den Abgesendeten aus 
den Klöstern de; Mönchsrepublik und jenen Frommen, die 
aus allen Gegenden der orientalischen Kirche zum Feste 
(Üavojyviotg) kommen. (Pischon) Die Umwandlung heid- 
Mischer Gepflogenheiten in christliche Gebräuche steht  
auch nicht vereinzelt da, und ist dies hier um so viel 
jviehtiger, als der Götterkult und die Ausstattung der 
Kleineren und grösseren Heiligthümer, so wie die Her- 
stellung der für die Wallfahrer bestimmten Andenken 
ßrfahrungsgemass sich wenig von heute noch geübten Ge- 
Viiuhnheiten unterscheidet, und jedenfalls ein sowohl höhere 
a8 auch geringere Ansprüche befriedigendes Kunstleben 
hervorgerufen haben. Mögen die Arbeiten nun aus den 
Werkstätten jener Ortschaften oder aus den Händen Ein- 
zelner in stiller Zurüekgczogenheit bei den Heiligthülnern 
lffbender Frommen hervorgegangen, mögen dieselben an- 
fänglicher oder vollendeter dargeboten worden sein, die 
Art und Weise der Verwendung verschiedener Materialien
        

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