Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1839348
hat. Dass sich im Laufe der Zeit diese Traditionen Gründßfüfdßs 
verloren, sieh fast jeder Erinnerung entzogen haben, kann 
den Gesehiehtskundigen kaum überraschen. Im Gegentheile,  
mehr (larf es überraschen, dass sieh bei den vielen staats- 
verniehtenden, völkermordenden Umwälzungen, die aus- 
nahmslos alle das weite Mittelmeerbeeken umgrenzenden 
Länder betroffen, überhaupt noch Spuren irgendwelcher 
Kunstteehnik erhalten haben. Denn was den die Länder 
auspliindernden Casaren oder den rohen Horden ein- 
gefallener Barbaren entgangen, das fiel als ein Opfer der 
Bilderstürmer. Aber gerade der Umstand, dass sich im 
Besten aufbewahrt seien. Aus diesem Grunde, fährt Plutarch fort, haben 
auch die Pythagoräer ihre Lehren nicht in Büchern niedergelegt, sondern 
das Gcdiichtniss derselben ohne Schrift durch Lehre und Erziehung in 
würdigen Herzen verewigt.  Bekannt ist, dass Pythagoras einst einen 
Seiner Schüler auf das härteste bestrafte, weil er eine Aufgabe aus der 
Geometrie einem Profanexi mitgetheilt hatte. 
Neben den Priestern und den Schülern der Philosophen linden wir 
aber auch noch die Vertreter anderer Körperschaften zur Geheimhaltung 
der anvertrauten Lehren verpflichtet. In der Münchener "Medicinischen 
Wochenschrift" (N. 50; v. 11. Decembcr 1894, S. 1025) findet die 
Herausgabe des ersten Bandes einer Verdeutschung sämmtlichci- Werke 
des Hippokrates durch Dr. Robert Fuchs in Dresden (Verlag von Dr. 
ll. Lüneburg in München) Erwähnung, wobei als Probe der Uebersctzung 
eine für unsere Untersuchung höchst beachtenswerthc Stelle geboten 
wird. Es ist die Eidesformel des Hippokrates, die uns beweist, wie 
man derzeit die Vertreter der Wissenschaft und Kunst ehrte aber auch 
Verpflichtete. Die Formel lautet: "Ich schwöre bei Apollon, dem 
Ärzte, bei Asklcpios, Hygieia und Panakeia und bei allen Göttern und 
Göttinnen, indem ich sie zu Zeugen mache, dass ich diesen meinen 
Eid und diese meine Verpfiichtung erfüllen werde nach Vermögen und 
Verständuiss, irämlich denjenigen, welcher mich in dieser Kunst unter- 
wiesen hat, meinen Eltern gleichzuachten, sein Lebensschicksal zu theilen, 
ihm auf Verlangen dasjenige, dessen er bedarf, zu gewähren, das von 
ihm stammende Geschlecht gleich meinen männlichen Geschwistern zu 
halten, sie diese Kunst, wenn sie dieselbe erlernen wollen, ohne Entgelt 
11m1 ohne Schein zu lehren und die Vorschriften, Kollegien und den 
ganzen übrigen Lernstoif meinen Söhnen sowohl wie denen meines 
Lehrers und den Schülern, welche eingetragen und verpüichtet sind 
nach ärztlichem Gesetze, mitzutheilen, sonst aber niemand         
Wenn ich nun diesen Eid erfülle, ohne ihn zu brechen, dann 
möge mir ein glückliches Leben und eine glückliche Kunstausiiliung 
beschieden sein und ich bei allen Menschen für immer in Ehren stehen, 
Wenn ich ihn aber iibertrctc und mcincidig werde, möge das Gegen- 
theil geschehen!" 
Sehr der Beachtung werth ist fernerhin eine Stelle aus Vilruv. 
1m sechsten Abschnitt des Vorwortes zum (i. Buche heisst es: „Die 
Künstler selbst aber unterrichteten Niemanden, als ihre Kinder und 
Verwandten, und machten diese zu wackeren Männern",         . 
(Weiteres darüber sehe man im Anhang  
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