Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1839303
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Wurden, wie wir jene des Cinqueeento ehren und be- 
wundern. S0 wird dem Pausias nachgerühmt, dass er 
das Gesicht der aus einer Glasschale trinkenden Methe 
genau so malte, als ob man es durch das Glas hindurch- 
scheinen sähe; auch soll er verstanden haben, dem Schatten 
an sich selbst Rundung zu geben. Diese letztere Be- 
merkung ergänzend, rühmt Plinius dem Parrhasios die 
subtile Modellirung der Konturen nach; "denn", so sagt 
er, „die Extremität muss sich in sich abrunden und so 
verlaufen, dass sie noch etwas hinter sich verheisst und 
Selbst das verräth, was sie verbirgt". Eine Malerei, die 
Solche Kritik veranlasste, war gewiss keine gobelinartige 
Flächenbelebung, keine blos kolorirte Zeichnung, sondern 
auf die Fläche, auf die Tafel hingezauberte Plastikß) 
Jedenfalls muss diese altgrieehisehe Malerei eine der 
Renaissance nahe Höhe realistischer Darstellungskunst er- 
reicht haben?) 
Bei diesen meisterhaft bis zur Tätusehung3) durch- 
geführten Bildern, diesen theils koloristischen Bravour- 
Stücken, ist schon durch die Art des Dargestellten eine 
Durchführung bewiesen, die mit jenen bisheran an- 
genommenen Malmitteln nicht ausführbar ist; es sind dem- 
nach noch andere Materialien  als jene gewöhnlich ge- 
nannten  verwandt worden. 
Erwägen wir den Umfang und die Art der Ausführung, 
Worüber uns die alten Schriftsteller genügend unterrichten, 
S0 ist eine der Oelfarbentechnilü) nah' verwandte Technik 
1) Siehe Anhang 7. 
2) G. Hirth und R. Muther. 
a) Siehe Anhang S. 
4) Von Protogenes berichtet Plirlius Folgendes: "Unter seinen 
Gemälden gebührt der Preis dem Jalysus, welcher sich zu Rein beiirulet 
"m1 im Tempel des Friedens geweiht ist         An dieser 
Malerei trug er zum Schutze gegen Beschädigung und Alter 
(130 Farbe vierfach auf, damit, wenn die obere verschwinde 
dle untere hervortrete,         hätte dies wiederholte Ueber- 
malen keinen anderen Zweck gehabt, als das Bild auch bei mechanisch 
(Wffllgerldem Sehleissen länger zu erhalten, dann Stände Protogenes mit 
dem Anstreicher auf einer Stufe, der einen Hausgiebel mehrmals über- 
streicht. Hier aber bedeutet das Uebermalen die Erzielung einer höheren 
Vollendung und ist es wichtig, dass uns gerade hierzu eine Parallel- 
Stelle von Dürcrs Hand erhalten geblieben ist, dessen Oelbilder eine 
"hell so hohe Vollendung wie Erhaltung zeigen. Diirer, in der Oel- 
farbenteehnik nicht übertroffen, lässt uns das Thun, das Verfahren des 
Pmtogenes in anderem Sinne verstehen, als dies Plinius oder dessen 
Berichterstatter zu erkennen geglaubt. Dürer schreibt nämlich an Jakob
        

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