Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1839295
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Ueber die 
'l'afel malerei 
bei den 
Griechen. 
nach den Gründen zu forschen, die für die Anwendung 
der Oelmztltechnik im Alterthume sprechen. 
Um zur Gewissheit zu gelangen, dass sie bestanden, 
und die Mittel und Wege zu finden, das von uns heute 
benutzte, der Verbesserung so sehr bedürftige Material zu 
vervollkommenen, ist eine weiterführende, gründliche Um- 
schau unerlässlich; und müssen wir uns zur Erreichung 
vorgedaehten Zweckes sowohl mit den diesbezüglichen Er- 
gebnissen der allgemeinen, als auch der Special-Forschung 
um so mehr, um so eingehender bekannt machen, als wir 
bei dem heutigen Stande der wissenschaftlichen Erforschung 
noch zumeist auf Rückschlüsse angewiesen sind, die ein 
eben so reichhaltiges wie übersichtlich geordnetes Material 
voraussetzen.  Schon von Polygnotos, dem Tharsier, 
Cimon's Freund, werden grosse Tafelgemälde gerühint. 
Apelles weiss durch einen zugleich schützenden und den 
schärferen Farbenton mildernden Ueberzug die Einheit der 
gesammten Liehtwirkung zu fördern. Mit anderen Worten, 
er benutzte Lasurfarben. Dazu waren den Alten weder 
mildere Eifecte, wie angenehmes Dämmerlicht 1), noch 
kräftige Feuerscenen, wie der Brand des SkaYIIiLIMlYOSQ) 
(Philostr. I, 1.) undarstellbar. Es geben uns sogar manche 
Berichte den unzweifelhaften Beweis von einer geradezu 
auf Illusion abzielenden Realistik. Dafür sprechen schon 
zunächst jene Anekdoten, welchen zufolge Zeuxis Weintrauben 
so täuschend gemalt haben soll, dass die Vögel daran zu 
picken suchten; von Apelles berichten sie, dass er ein 
Reiterbild Alexanders des Grossen so naturwahr gemalt 
habe, dass Pferde beim Anblick desselben zu wiehern be- 
gannen; Parrhasios malte bei einem Wettstreite einen Vor- 
hang so täuschend, dass sein Nebenbuhler ihn von dem 
vermeintlichen Bilde entfernen wollte. Abgesehen von 
diesen Anekdoten, in denen der eine Künstler noch über 
den anderen gestellt wird, indem diese nur die Thiere, 
jener aber die Menschen tauschte, berichten uns glaubhafte 
Männer von den hervorragenden Leistungen altgriechischer 
Maler, deren Werke noch zur Kaiserzeita) ähnlich gefeiert 
1) Näheres Anhang 5. 
2) Näheres Anhang 6. 
3) S0 kam die Anadyomene des Apelles, die sich in Kos im As- 
klepieion befand, durch Augustus in den 'l'empel des D. Julius zu Rom, 
wo sie aber schon zu Nerds Zeiten tiefe Spuren baldigen Verfalls 
zeigte.
        

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