Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1839284
Aus den Mittheilungen der Genannten wie auch aus 
beiläufigen Bemerkungen anderer gleichzeitiger Schriftsteller 
geht aber unverkennbar hervor, dass dieselben nicht etwa 
über Neu-Getiiiideiies zu berichten beabsichtigt haben, 
sondern über Dinge, die schon von alters her theils tradi- 
tionell, theils schriftlich bekannt waren. Wenn wir nun  
bedenken, dass jene zur Oehnalerci erforderlichen Stoffe 
zum Theile schon in weit zurückliegenden Zeitcn') ver- 
wandt worden sind, dass man in deren Zubereitung und 
der Art der Benutzung eine hohe Vollkommenheit erreicht 
hatte, dann wird man sich im Hinblick auf die erhaltenen 
Reste und namentlich in Anbetracht der auf uns ge- 
kommenen Berichte über den Stand der Malerei bei den 
Ilellencn der Annahme nicht verschliessen können, dass 
jene Stoffe nicht allein medicinischen, sondern auch kunst- 
technischen Zwecken gedient haben. Es gewinnt diese 
AXnnahme an Wahrseheinliehkeit je mehr man sich in diese 
Frage vertieft; ja, sie steigert sich dann fast zur absoluten 
Gewissheit. Wenn deshalb Wiegmannz) gleich Caylusß) Verwendung 
und Roux in der an die Stelle der Erlkaustik getretenen trocknendef 
     Oele zur 
vollkommenercn Malerei, die Ochnalerei erkennt, dann Malerei 
hat diese Annahme  ganz abgesehen von anderen Be- 
weisen  schon mit Rücksicht auf den hohen Stand der 
Tlafelnialcrei in der hcllenischen Blüthezeit ihre volle Be- 
rechtigung. Es lohnt sich deshalb wohl der Mühe, weiter 
Erlindung eines zur Zeit berühmten bleiweisshaltigen Pflasters zuge- 
schrieben. Zu Ner0's Zeit kannte die Bereitung von Bleipflzrstel" 
Dioscorides, Arzt aus Cilicien.  Von höherem Interesse als diese all- 
gemein gehaltenen Nachrichten sind aber die Ergebnisse der von Prof. 
A. v. Bacycr in Miinclnxn angestellten Untersuchungen. Er stellt fest, 
dass seine Untersuchungsobjekte  aus Mumiengräiberxi stammende 
schwarze Schminken  die zum lidäirben der Augenlider und Augen- 
brauen verwandt wurden  aus einem Gemenge von Schwefelblei und 
Kohle bestehen. Der Genannte weisst nach, dass die Aegypter schon 
die Bereitung von Bleivitriol, Bleigläitte und Bleisulfat gekannt. 
("Aerztliche Rundschau"; III. Jahrg. Nr. 12.) 
1) Die alten Aegypter wandten bei der Einbalsamirung der Leich- 
lliune nicht allein wehlriechende WVeichharze oder Balsame, sondern, 
Wie nachgewiesen ist, auch Hartharze: Benzoöharz und Olibztnum (Weih- 
rauch von Boswellia serrnta, [hierzu sehe man auch Biblische Archäologie 
V. Schegg Cap. VI, S. 222] einem Baume Abyssiniens an), welch' 
letztere dieselben unzweifelhaft in einer den verschiedensten Anwen- 
dungen entsprechenden YVeisc aufzulösen verstanden haben.  [Die 
Löslichkeit der Harze in Oel kannte auch Plinius.]  
2) R. Wiegniann, "Die Malerei der Alten" S. 144. 
3) Graf v. Caylus, "Mem. sur 1a peinturc ä 1' exzcaustique. Par. 1755.
        

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