Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841572
236 
Nach der Behauptung Einiger, führt der Alten Rubrica in die 
feinsten Varietäten des rothen Bolus. Eine Sorte zweiten Ranges 
soll das sogenannte Sinopisroth gewesen sein, von dem man 
drei Sorten unterschied: eine rothe, eine weniger rothe und 
eine durch die mangelnde Farbe noch geringwerthigere Sorte, 
die aus dem rothen Thon in gemeinen Lehrnmergel überging. 
Den Preis der besten giebt Plinius (XXXV, 13) zu nur 2 Denare 
: 1 Mark 13 Pf. das Pfund an. Nicht weniger ist die Art 
ihres Vorkommens charakteristisch und diese schliesst jede Ver- 
wechselung aus. Denn Plinius erwähnt im dritten Kapitel des 
siebenzehnten Buches die Verschiedenheit des Erdreichs, und 
spricht von der „von Vielen so sehr gepriesenen Rubrica" und 
sagt: „Das Auge erkennet die Rubrica und den Thon, welche 
sich sehr schwer bearbeiten lassen, weil die grossen Erdklösse 
das Pflügen und Eggen erschweren        Darum ist aber 
ein schwer zu bearbeitendes Erdreich keineswegs unfruchtbar!" 
Was nun jenes Boeckh noch irreführende Cinnabari oder 
Cinnabaris anbelangt, welches uns Plinius (XXXIII, 38) als In- 
dische Waare bezeichnet, so bleibt dabei nur unbestimmt, ob 
dieselbe von Pterocarpus draco L. Drachen-Flügelfruchtbaum, 
(Leun. ä. 108), von Dracaena draco L. Gemeiner Drachenbatim 
(Leun. ä. 303), oder von Calamus draco W. Drachen-Rotang 
(Leun. ä. 306) herrührt; die Ursprungsstätte wie das Wesenl) 
des Stoffes bleiben dieselben.  Es ist jenes rothe, harzige 
Pigment, das sogenannte Indische-Drachenbltit oder Cinnabaris 
theils als Tropfsaft der Bäume, theils als Harz der Frucht zu 
betrachten, und galt zu Plinius Zeiten wie heute in der Medicin 
als adstringirendes Mittel. Doch schon in des eben Genannten 
Tagen bestand der Doppelgebrauchz) des Wortes cinnabaris und 
1) Drachenblut, eine dunkel lylutrothc, gcruch- und geschmecklose, 
harte zerreibliche, trockne, am Feuer schmelz- und entzündbare Sub- 
stanz, welche mit einem balsanlischen Geruche brennt Man unter- 
scheidet mehrere Sortenr 1. Sanguis Draconis in granis, in kleinen ge- 
sonderten durchsichtigen Tropfen. 2. Sanguis Draconis in lacrymis, in 
eiförrnigen, haselnnssgrossen, perlenschnurfdrmig ancinandergercihten 
Stücken. 3. Sanguis Draconis in placentis (en pains), in platten, einen 
Zoll dicken und einige Unzen schweren Massen oder Kuchen. 4. San- 
guis Draconis in tabuliS (en tables), in drei oder vier Zoll langen und 
sechs bis acht breiten und über einen Zoll dicken Platten. 5. Sanguis 
Draconis in cannis, Pterocarpi Draconis R esina, in kleinen, in Blätter 
gewickelten Massen. (Pharmacopoea univetsalis, Weimar 1810.) 
 Plin. XXXIII. 38.  Dann heisst es bei Plinius B. XXIX, 8: 
   "sie kennen nicht einmal diese (die Wissenschaft), wie ich denn 
in Erfahrung gebracht habe, dass man gewöhnlich statt des Cinnabaris 
(Draehenblut), weil man den Namen nicht versteht, minium (Zinnober)
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.