Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841564
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nämlich, die Röthe der Wangen darzustellen, bei Ausonius 
(Idyll. VII.) die Aufforderung an den Maler, Rosen und Lilien 
zu mischen. Es heisst bei Propertius (Lib. I. Eleg. 2; 21, 22): 
„Ut Maeotica. nix minio si certet Hibero, 
Utque rosae puro lacte natant folia". 
Die gleiche Anwendung jenes Wortes finden wir bei Aelian, wo 
er von der jüngeren Aspasia spricht (Variarum Histor. XII, 1): 
„lhre Haut war zart, und die Farbe des Antlitzes gleich den 
Rosen; daher nannten sie die Phocenser als Kind, Milto".  
Wenn wir damit weitere Parallelstellen vergleichen, wie: „Auf 
der Stirne glänzte die Farbe der Narcissen, auf den Wangen 
standen Rosen" (Achilles Tatius Lib. I; sub finem); „Sie war 
sehr schön. Du hättest geglaubt,       dass Rosen auf 
ihren Wangen entsprossen" (Idem Libr.  Ovid nennt Wangen 
von dieser Farbe der Scham geröthet „die unschuldigen Wangen 
mit Röthe getüncht" (Amorum Libr. I. Eleg. 14. v. 53); 
(Aristaenet. Libr. I. Ep. 10): „Er schämte sich und erröthete 
so, dass er eine Wiese von Rosen auf seinen Wangen zu haben 
schien; und diese Röthe war von der Röthe der Lippen nicht 
unterschieden".  Denkt aber da wohl noch Jemand beim 
Gebrauche von minium oder miltos an Mennig, jenes sogenannte 
„Postroth"? Man verzeihe den wenig geschmackvollen Vergleich, 
doch scheint mir nach allem Mitgetheilten Deutlichkeit nicht zu 
schaden.  Was mm die Rubrica, das Bergroth anbelangt, so 
lässt uns Plinius über deren Wesen auch nicht im Dunkeln. 
Im dritten Kapitel des siebenzehnten Buches spricht Plinius mehr- 
mals von rothen, thonigen Bodenarten und geht aus vielen Parallel- 
stellen hervor, dass wir uns unter jenem so häufig gepriesenen 
Bergroth eine Farbe von grosser mineralogischer Verschieden- 
heit und selbst innerhalb bestimmter Grenzen von recht mannig- 
faltigen Mischungsverhältnissen vorzustellen haben. Dass der 
Rubrica der Ruhm zukommt, eine der ältesten Farben zu 
sein, wird Niemand beanstanden, aber mit dem Zinnober steht 
sie nicht entfernst in Zusammenhang. Man unterscheidet ver- 
schiedene Sorten, und könnte auf Grund ihrer Färbung und 
Zusammensetzung noch weitere Sorten unterscheiden. Doch das 
zu thun wäre zwecklos und hier nicht die Stelle. Genug ist es, 
zu wissen, dass die Rubrica im Allgemeinen eine Verbindung 
thonerdiger Mischungen ist, bei denen rothes Eisenoxyd als das 
färbende Prinzip betrachtet werden muss. Dies geht unumstöss- 
lich aus verschiedenen Stellen des Plinius hervor, wo ihre Auf- 
findung, die verschiedenen Sorten und ihr Preis besprochen wird.
        

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