Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841553
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"minium" citirte Stelle Senecais: „regio uberrima minio", be- 
seitigt weiterhin jeden Zweifel über das Wesen des Stoffes. 
Desgleichen bei Vitruv, der im achten Kapitel des siebenten 
Buches vom Zinnober und Quecksilber spricht, und beginnt: 
„Ich komme nun darauf, die Verhältnisse des Zinnobers zu er- 
klären" („lngrediar nunc minii rationes explicare"). 
Auch Dr. Franz Reber bemerkt in seiner Uebersetztmg des 
Vitruv zu eben dieser Stelle: „Die Alten nannten das Minium, 
was wir Zinnober nennen, nämlich das Quecksilberroth (Schwefel- 
quecksilber).  Trotz dieser unverkennbaren Deutlichkeit be- 
gegnen wir dennoch einer Unzahl von Verwechselungen, die 
gewiss nicht wenig zur Verdunkelung des einst unter Sinopia ver- 
standenen oder bekannt gewesenen Farbstoffes beigetragen hat.- 
Wie bei Kärcher in der Uebersetzung Strabo's, so sehe man auch 
Grashoff, „das Schiff bei Homer und Hesiod" (S. 16), wo miltos 
mit Mennig übersetzt ist. Dies ist nach dem schon Gesagten 
gewiss unbegreiflich, doch wie die Irrthümer entstehen, und be- 
zeichnend für die mitunter beliebte Art, textliche Dunkelheiten 
aufzuhellen, mag Folgendes dienen. v. Osiander gibt zu seiner 
Uebersetzung der zweiten Philippischen Rede eine Anmerkung 
zu "Sisapo", welches Cicero zum Vergleiche herangezogen hat, 
und sagt: „Sisapo  in der Gegend von Gordova in Spanien, 
wo Mennigbergwerke waren        Mag man daraufhin 
nun den Atlas antiquus des Dr. Wilh. Sieglin (Just. Perthes 1893) 
oder den Andreeslschen Atlas (Velhagen 8a Klasing) ansehen, 
die Lage Sisapois „in der Gegend von Cordova" wird dann 
auf absolute Genauigkeit wenig Anspruch erheben können. (Nur 
insoweit ist Sisapo mit Cordova überhaupt in Verbindung zu 
bringen, als diese Stadt von Plinius B. III, C. 3, 11 als eine 
der bedeutenderen Städte genannt wird, die dem Cordubensischen, 
einem der vier Obergerichtsbezirke, in denen die Bätische Pro- 
vinz getheilt war, angehörte.) In gleicher Weise verhält es sich 
mit den "Mennigbergwerken", denn Mennig (Bleiüberoxydul) ist 
kein in der Natur gefundenes Produkt, sondern ein Präparat, 
weshalb von einer bergmännischen Gewinnung keine Rede sein 
kann. Plinius (B. XXXV, 20) erzählt auch dessen zufällige Ent- 
deckung bei einem Brande im Piräus eingehend genug, um über 
die Art der Gewinnung dieses Bleiroth's vollständig orientirt zu 
sein. Um aber das Wesen jener mit minium oder miltos be- 
zeichneten Farbe über jeden Zweifel zu stellen, soll noch auf 
eine Art der Anwendung jener Wörter hingewiesen werden. die 
jede anderweitige Erklärung ausschliesst. Aus vielen Stellen der 
klassischen Autoren mögen die folgenden genügen. Wir finden
        

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