Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841497
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natürlichen Kräfte des Menschen übersteige oder doch zu über- 
steigen scheine, eine solche Summe von Wissen sich anzueignen 
und zu beherrschen. Und fährt dann wörtlich fort: „Wenn sie 
aber (aus den vorstehend gegebenen Erklärungen) erkannt haben, 
dass alle Wissenschaftszweige unter sich eine sachliche Ver- 
bindung und Gegenseitigkeit haben, so werden sie leicht glauben, 
dass es geschehen könne; denn die übersichtlich Alles umfassende 
Wissenschaft ist wie Ein Körper aus diesen Gliedern zusammen- 
gesetzt. Und so erkennen Diejenigen, welche von frühester Jugend 
auf in verschiedenen Vorkenntnissen unterrichtet werden, in allen 
Wissenschaften dieselben Grundzüge und eine Gegenseitigkeit aller 
Wissenschaftszweige, und erfassen dadurch Alles leichter."  
Dass diese Erwartungen nun nicht etwa fromme Wünsche ge- 
blieben, ersehen wir aus dem vierten Abschnitte des Vorwortes 
zum sechsten Buche, wo Vitruv mit einer gewissen inneren 
Bewegung schreibt: „Deshalb sage ich meinen Eltern den grössten 
und unbegrenzten Dank und trage ihn auch im Herzen, dass 
sie      mich in einer Kunst unterrichten liessen, und zwar 
in einer Kenntniss, welche nicht ohne gelehrte Bildung und ohne 
eine umfassende Kunde von allen Wissenschaftszweigen auf Voll- 
kommenheit Anspruch machen kann".  Was die Alten und 
die Meister des Cinquecento, die den gleichen Prinzipien gehul- 
digt, nun mit Hülfe dieser vielseitigen Kenntnisse erreicht haben, 
beweisen uns der Panthenon und die Kuppel von St. Peter, des 
Phidias Zeus und Michelangelds Moses, Apelles Anadyomene 
und Leonardo's Abendmahl. Wir wissen auch, wie weit die 
Erwähnten in der Erreichung der Naturwahrheit gelangt sind, 
dass aber höher noch als diese, die Beobachtung des Eben- 
masses, der Proportion und Harmonie geschätzt wurde, obschon 
das Lob, welches man der Aehnlichkeit zollte, kaum noch zu 
überbieten war. Vor allen Malern durch seine Gelehrsamkeit, 
sein unermüdliches Arbeiten hervorragend, wodurch er sich, wie 
Quintil. XII. 10, und Plinius XXXV. 40, 4: berichten, in jeder 
Gattung der Kunst und des Wissens ausgezeichnet, wird Euphra- 
nor vom Isthmus genannt, der auch Bücher über das Ebenmass 
und die Farben geschrieben hat. Dass er aber nicht allein mit 
diesen von ihm gerühmten Bestrebungen gestanden, beweist uns 
das Zeugniss des Didvmus und Eustathius (ad vers. 392 Iliad.  
demzufolge jeder Künstler Gotpög genannt worden. Wie hoch 
aber das Studium der Mathematik gestellt worden ist, und wie 
man namentlich die Kenntniss der Geometrie und Optik für den 
bildenden Künstler geschätzt, geht aus Tzetzes (Chiliad. XI 
histor. 381 und Chil. VIII hist. 193), der um das 12. Jahr-
        

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