Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841455
freiwillige Annahme oder das Nehmen des Apfels hier, der 
Granatfrucht dort, deutet oder bekundet demnach ein Abschliessen 
mit dem Bisherigen, und ein Angehören, ein Sichhingeben an 
das nun Beginnende. Die erwähnte Stelle der Hymne lässt uns 
nicht in Zweifel olartiber, dass mit der freiwilligen Hinnahme 
gleichzeitig die Unmöglichkeit zur Rückkehr, zum einst Gewesenen 
ausgedrückt ist. Voss bemerkt dazu Seite 102 seiner Erläute- 
rungen: „A'1'des erheiterte sein Gesicht zum Lächeln, und fügte 
sich ohne Widerrede dem Befehl. Denn er wusste, der Schalk, 
wie er des angekündigten Verlustes durch einen Granatkern sich 
erholen wollte."  So erklärt es sich auch, weshalb die zu den 
Thesmophorien, den Oktober-Frauen-Festen zu Priesterinnen ge- 
wählten verheiratheten Frauen, sich für die Tage ihrer Amts- 
führung der Granatkerne enthalten mussten!  Mit der zunächst 
ausgesprochenen Verzichtleistung auf das Frühere ist der Sinn 
dieses Gebrauches aber noch lange nicht erschöpft. Es ist nicht 
allein ein zeitliches Verbundensein, ein nicht auf das irdische 
Leben beschränktes Angehören mit ihren Folgen darin ausge- 
drückt, es wird vielmehr durch das freiwillige Nehmen der Frucht 
bei der Verlobung gleichzeitig eine Zuneigung verrathen, die ein 
längeres als ein zeitliches Angehören verlangt und hofft. Darauf 
weist auch mit Rücksicht auf die in der Mythologie der Griechen 
zu findenden Analogien jener Gebrauch hin, dem theuren Ver- 
blichenen einen Apfel als letzte Gabe in den Todtenschrein zu 
legen, der hier zunächst als der Ausdruck erneuten Gelöbnisses, 
als ein Pfand unzertrennlichen Verbundenseins betrachtet werden 
will. Gleichzeitig finden wir darin aber auch noch den Glauben 
an ein Fortleben nach dem Tode bestätigt, wie dies das Ver- 
hältniss des Demeter zu Persephone zeigt, in welchem sich jene 
Anschauung der Hellenen ausspricht, die in dem Unsterhlichkeits- 
beweise Platos die Höhe wissenschaftlicher Spekulation erreichte. 
Was der Fürst des Hades ihr, der Deo, geraubt, er dtirfte es 
nach Zeus oberstem, göttlichem Willen nicht dauernd behalten; 
er musste auf seinen Befehl das geraubte Leben zurückgeben. 
Das, in Demeter mythologisch metamorphosirte menschliche 
Wesen, behält unentreissbar das, was ihm gehört, das eigene 
Ich, die tpvym, dasjenige also, was zu voller Existenz gefordert 
werden muss, vor wie nach dem Tode; es ist also das ver- 
meintliche Opfer des Todes nur Schein. Nur das kijrperliche 
{Fausendfältig erblüht, alsdann aus dem nächtlichen Dunkel 
"steigst du empor, ein Wunder den sterblichen Menschen und 
 Göttern. 399
        

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