Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841447
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dass sich in ihm die Redeweise des gemeinen Volkes, die Sprache 
des Feldbauers, des Handwerkers, des Fischers, des Handel- 
treibenden u. s. w. erhalten hat. Neue Begriffe brachten diesen 
Tschakoniern auch neue Wörter, ohne deswegen den Grundton 
der herkömmlichen, niemals ausgestorbenen Sprache der 
Vorfahren urnzuschnielzen." 
Eine eingehende Untersuchung der symbolischen Bedeu- 
tung des Granatapfels dürfte an dieser Stelle kaum zulässig sein, 
obschon es erfahrungsgemäss feststeht, dass gerade die nähere 
Durchforschung solcher Nebendinge sehr häufig zu überraschenden 
Resultaten geführt hat. Da es aber von grosser Wichtigkeit ist, 
den Zusammenhang zwischen den heute noch bei den Süd-Slaven 
geübten Gebräuchen und jenen der alten Hellenen nachzuweisen, 
so werden mir einige kurze, diesbezügliche Hinweise gestattet 
sein, umsomehr, als es sich nicht etwa um die Fortsetzung be- 
deutungslosei" Gewohnheiten, sondern um alte, in der Mythologie 
der Griechen tief wurzelnde, erhabenen Sinnes volle Gebräuche 
handelt.  Erblicken wir in der Hand Juno,s oder Hera's die 
Granatfrucht, dann erscheint sie mit Rücksicht auf das, was 
Geppert S. 57 sagt, mehr als ein Symbol rein physischer Art, 
„denn Juno ist es, die Alles ans Licht bringt, was im Reiche 
der animalischen Natur schlummert und der Geburt entgegenreift, 
und die somit das Schicksal der ungeborenen Keime in ihrer 
Hand trägt". Eine weitere Erklärung zur Bedeutung des Granat- 
apfels gieht uns die Sage von dessen Entstehung, derzufolge die 
Granate einst aus dem tröpfelnden Blute des von Titanen zer- 
rissenen Dionysos erwuchs. Dieser theilt mit Demeter das 
Epithet: "Üeaitotpögog". Beide sind Gottheiten des Natursegens; 
beider Gottheiten Feste finden sich in den Thesmophorien ver- 
eint. In den Naturdienst des Dionysos aber senkt Demeter 
wohlgeordnetes Wirken: sie giebt gemeinsames Leben, Bedeu- 
tung des Eigenthums, mildere Sitten, kurz, jene das häusliche, 
eheliche,  das ländliche, städtische,  wie staatliche Leben 
bedingenden Gesetze; daher wird sie als Gesetzgeberin Avygujzqg 
Üeogmzpögog verehrt. Eine weitere Bedeutung erkennen wir in 
einer Stelle aus der homerischen Hymne an Demeter (V. 372 u. f); 
hier lernen wir sie als eine Art SchicksalskosH) kennen.  Die 
"Hast du gekostet jedoch, um kehrest du, dass in dem Erd- 
Sßhllllld 
„Kiinftig ein Drittel der Zeit vom kreisenden Jahre du wohnest 
"Doch zwei Thcile bei mir und anderen himmlischen Göttern. 
"NVann mit Blumen die Erd' in des duftenden Lenzes Ernelumg
        

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