Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841400
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weitere Ergänzung findet.)  Es ist oben gegebenem Berichte 
Diodors noch beizufügen, was er Capitel 98 desselben Buches 
erwähnt, wo er sagt, dass auch die bekanntesten unter den 
alten Bildhauern Aegypten besucht und dort die Prinzipien jener 
so riihmenswerthen Massvollendung, Masseinheit kennen gelernt, 
in der es die Aegypter schon zur höchsten Vollendung gebracht 
hatten. 
Damit kann nun keineswegs eine Vernichtung oder ein to- 
tales Aufgehen des Hellenenthums in's Slaventhum ausgesprochen 
werden, eine Ansicht, die zur Zeit mit grosser Wissenschaftlich- 
keit verfochten worden ist; denn es fehlt wahrlich nicht an 
Zeugnissen für das Fortbestehen und ungehemmte geistige Wirken 
der Hellenen zu eben jener Zeit. Zwar ist die Annahme des 
slavischen Idioms seitens der Hellenen unleugbar, doch beweist 
sie nur, dass durch die numerische Ueberlegenheit der Einge- 
drungenen für die betroffenen griechischen Stämme der Gebrauch 
der slairischen Sprache schon aus rein praktischen Gründen eine 
Nothwendigkeit geworden war, so wie ähnliche Verhältnisse zur 
Stunde noch vieler Orten zu beobachten sind. Denn mit der 
später erfolgten Verschiebung des Uebergewichts trat auch die 
alte Landessprache wieder in ihr Recht, ein Umstand, der allein 
schon beweist, dass lediglich ein Zurückdrängen, eine Vermischung, 
aber kein Untergehen, kein Verschwinden der hellenischen Stämme 
angenommen werden darf. Denn wäre vor den einbrechenden 
Slaven-Strömen das althellenische Element der Vernichtung an- 
heimgefallen, wie hätte dann ein späteres Wiederaufleben, wie 
hätten seitens der Besiegten geistige Beeinflussungen stattfinden 
können, die thatsachlich die Besiegten zu Siegern') machten! 
Denn auch die Slaven erfuhren im Verlaufe der Zeit, was nach 
Juvenalz) vordem schon der Welt-Beherrscherin, der ewigen Roma 
widerfahren war, die unter griechischem Einflusse "Sitten und 
1) Aehnliehe Vorgänge sind auf Sicilien zu beobachten. Graf v. 
Scheck schreibt in seiner "Poesie und Kunst der Araber in Spanien und 
Sicilien" (Stuttgart, Cottalsehe Buchhandlung 1877): "Nachdem sich Roger 
und seine normannischen Ritter der, aufs neue von inneren Unruhen 
zerrissenen, Insel bemächtigt hatten, konnten sie den Einflüssen 
des besiegten Volkes nicht entgehen       Und wie die Nord- 
landsreeken sich in den zauberischen Schlössern und Gärten der sara- 
cenisc-hen Emire von aller Pracht und allem Luxus des Orients umringt 
sahen, gewannen die Reize von Kunst und Natur, die Weichheit des 
Klimas und die ungleich höhere Civilisation der Muhamedaner, 
     unversehens Macht über sie. Sitten, Künste und Wissen- 
schaften der Ueberwundenen theilten sich den Eroberern mit." (B. II. 
O. XII. S. 7.) 
2) Sat. III. V. 60 u. w.
        

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