Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841370
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Pinselmaterial und eine der gedachten Anforderungen ent- 
sprechende Farbenbereitung.  Für alles Dieses, wenn auch 
des Protogenes 'I'afel verbrannt ist, fehlt es nicht an sichtbaren 
Beweisen. B. Rode und Prof. A. Riem zu Berlin berichten 
uns um das Jahr 1787, wie ein gewisser Calau ebendort das 
punische oder eleodorische Wachs neuerftmden habe, worauf ich 
schon an einer anderen Stelle dieses Buches verwiesen, und 
erfahren wir aus der ziemlich eingehenden Besprechung dieser 
Neuerfindung, dass sich dieses punische Wachs, welches er 
verschieden bereitete  zum Gründen und zur Zumischung 
unter die Farben  sowohl mit Wasser, als auch mit Leim 
und allen Arten von Oelen und Oelfirnissen verbinden liess. 
Calau sagt selbst, dass der Wachsgrund nicht bestimmt sei den 
Grund zu festen, ihn dauerhafter zu machen, wohl aber den- 
selben zu verschönern, zu glätten, ihn tadellos zu gestalten.  
Was den Schmelz und die Zertheilbarkeit der Farbe anbelangt, 
so habe ich in älteren persischen Handschriften 1) mit Miniaturen, 
welche auf zartest geglättetem Pergamente ausgeführt waren, 
eine geradezu räthselhafte Ausführung und eine für uns uner- 
reichbare Sauberkeit und Eleganz in der Linienführung zu be- 
wundern Gelegenheit gehabt. In Betreff der zur Ausführung 
solcher Werke erforderlichen Pinsel will ich nur bemerken, dass 
ich schon seit mehr denn dreissig Jahren einen "chinesischen" 
Pinsel besitze, mit dem eine Linienführung möglich ist, die von 
keinem hierorts erhältlichen Fabrikate  sei's Pinsel oder Feder  
erreicht wird. Für Interessenten will ich beifügen, dass dieser 
Pinsel in einem dünnen Bambus eingelassen ist, aufgetrocknet, 
ganz kegelförmig bleibt, bei einer Länge von 19 mm an seiner 
Basis 6 mm im Durchmesser hat, und noch unter einer scharfen 
Kupferstecherloupe in tadelloser Spitze endigt.  (Eine aufge- 
klebte sowie eine eingeätzte Adresse sind darauf noch lesbar.) 
Es wird wohl Jeder bei der eben gebrachten Darlegung die 
Empfindung gehabt haben, dass uns die angestellte [lntersuchung 
mehr und mehr auf das tireigenste Gebiet der Enkausten geführt 
hat, und diese Vermuthung täuscht nicht, sie ist richtig. Diese 
Erkenntniss ist aber lediglich als das Resultat unerbittlicher 
Logik zu betrachten, die uns bei Verfolg der angeregten Frage 
und Durchforschung der hier benöthigten Materialien von der 
ersten Anwendung der Enkaustik zu jener "vollkommeneren 
Malerei", wie Wiegmann sagt, zu jener als ein Oelmalverfahren 
wir 
1) Zum Orientc werden 
zurückgewiesen sehen. 
11115 
unseren Untersuchungen stets 
mit
        

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