Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841347
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dem Sprachgebrauche verdient nun auch die Art der Erscheinung 
Cles Gemalten die grösste Beachtung, und sei deshalb zunächst 
auf die unter 2 gegebene Stelle verwiesen, die da lautet: „Man 
sah die Anmuth, die mit zarter Hand die Decke angemalt 
hat".  Wie man die Wirklichkeit, Naturwahrheit erstrebt und 
zu erreichen vermocht hat, erkennen wir aus zahlreichen Stellen 
alter Autoren, welche uns die Werke der grossen Meister als 
"lebendige" Kunstwerke: wie beseelt, blühend, gleichsam ath- 
mend, die Sinne betrügend, beschreiben. S0 heisst es bei 
Martial (lib. VII, Epigr. 83): „Dies Gemälde von einer sinn- 
reichen Hand athmet". „Neben des Parrhasius Gemälden, und 
Myrons Bildern lebte das Elfenbein des Phidias", sagt Juvenal 
(Satyra VIII v. 103). Und Statius singt (Sylv. II in Surrentio 
Pollii v. 63): 
"Qnid referam veteres ceraeilile aerisque figuras, 
Siqnid Apellaei gaudent animassc colores  
Mai-tianus Capella (libr. I de Nuptiis Philologiae et Mercurii) 
fasst diese Redensarten zusammen, indem er sagt: „Der beseelendc 
Bildkünstler ahmt die Zauberkunst und Schönheit der 
Malerei nach, indem er seinem Erz oder Marmor Leben ein- 
athmet".  Petronius Arbiter sagt: „Des Protogenes Bisse 
(rudimenla), die an Ausdruck mit der Natur selbst streiten, 
habe ich nie ohne gewissen Schauer betrachtet". Weiteres 
erhellt aus Laertius (lib. VII in Sphaero), wo erzählt wird, 
wie Ptolomäus Philopator, Sphaerus Bosphoranus mit Punischen 
wäehsernen Aepfeln getäuscht; desgleichen bei Athenäus (lib. 
VIII, Deipnosoph. C. L, F01. 307; (Ausg.: Joh. Schweig- 
häuser, 1803). Neben diesen Stellen ist der Bericht über 
Apelles Besuch bei Protogenes wichtig, weil die begleitenden 
Umstände für die Beschaffenheit, die Güte und Verwendbarkeit 
der Malmaterialien: Farben, Pinsel wie Bildfläche bezeichnend 
sind.  Bei Plinius (B. XXXV, C. 10, 19 u. 20) heisst es: 
     Protogenes lebte zu Rhodus und Apelles, begierig die 
end] ich 
2. in Tiburtino Manlii Vopisci, V. 9. 
"Visa. manu tenera tectum scripsisse Voluptas." 
3. III Sylv. in IIorcule Surrentino, V. 94. 
"Tot virides lucos, tot saxa imitmmtia. vultus, 
Aeraque, tot scripto viventes limine ceras." 
4. VIII, V. 270, Thebaid. 
„       Solus stat puppo magister 
Pervigil, inscriptaque Deus qui nzwigat alno." 
 „    exscribere imagines liest man bei Plinius (Jun. IV , 28). 
G. describere tabulas (Gemälde entwerfen) bei Quintil. X, 2. 
7. trunsscriberc (abmalen) sagt Plinius lib. XXV, Hist. nat. C. 2.
        

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