Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841315
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formen zum Zwecke ihrer Nachbildung in die ihnen zu Grunde 
liegenden geometrischen Urformen; sie komponirt die Natur- 
bilder, deren Hauptlinien echt künstlerisch in den Raum ein- 
ordnend u.  w. 
Auf die Bemalung der Statuen und der polychromen Aus- 
stattung plastischer Arbeiten im Allgemeinen etwas näher ein- 
zugehen, wird sich für unsere Untersuchungen von grösstem 
Werthe erweisen, indem sowohl das Malmaterial als auch dessen 
Beschaffenheit, wie ferner die dadurch mögliche oder gar be- 
dingte Maltechnik daraus ersichtlich wird.  Franciscus Jtinius 
beweist zunächst (ä. 10 des II. Buches), dass man bisweilen 
Statuen bemalt, und dass man sich hierzu der bei Ge- 
mälden gebräuchlichen Farben bedient hat. Bei Pau- 
sanias lesen wir (lib. IX), dass in Creusis, dem Thespiensischen 
Hafen, das Bildniss des Bacchus, aus Gvps gemacht und mit. 
Farben illuminirt, zu sehen gewesen sei.  Herodot berichtet 
über die Gepflogenheit, Sculpturen zu bemalen, bei den Aegyp- 
tern und erzählt (lib. II, 78 u. 86), wie man bei Festmahlen 
das Bildniss eines in Holz gebildeten und durch Malerei voll- 
kommen ähnlich gemachten Todten herumgetragen; auch dass 
man den Mumienschrein gleicherweise geschmückt, was durch 
die Grafschenl) Funde bestätigt worden ist. Mehr noch erfahren 
wir von K. O. Müller S. 413 u. 414. Dieser berichtet, dass 
man der Oberfläche des Marmors, die an und für sich schon 
etwas Weiches, fast Fettiges habe, durch die Anwendung Punischen 
Wachses, mit dem sich ein geeigneter Farbenton leicht verband, 
weiteren Reiz zu geben gewusst. Praxiteles schönsten Statuen 
gab der grosse Enkaust Nicias jene Tonung, auf die, nach Plinius 
(XXXV, 40, 8), Praxiteles so viel gehalten haben soll, dass er, 
befragt, welche Werke in Marmor er am meisten schätze oder 
billige, gesagt habe, diejenigen, an welche Nicias seine Hand 
gelegt hat.  Mit Wachs gefärbte Haare einer Bildsäule er- 
wähnt deutlich Chäremon bei Athenäus XIII.  In VirgiPs CataL, 
Aeneid. dedic, wird ein marmorner Amor mit buntem Flügel- 
paar und Köcher beschrieben.  Nach neueren Untersuchungen 
hoben sich auch an der Trajanssäule die Figuren golden von 
azurnem Hintergrunde ab.  Auf eine, in ganz eigener Technik 
polychrom ausgestattete plastische Arbeit verweist uns Kallistratus 
1) Man sehe hierzu den im Selbstverlag von Th. Graf zu XVien 
erschienenen Katalog der gefundenen Portraitbilder.  Weiterhin: Die 
hellenistischen Portraits aus dem Fajjüm, von Georg Ebers. (Leipig, 
WV. Engelmann 1893.)
        

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