Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841274
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incoctae", .   und kann dies doch nichts anderes heissen, als 
dass die als Stützen dienenden Balken des Stachelbaumes (der 
Gummiaccacie, mimosa nilotica L.) mit Oel, und jedenfalls einem 
trocknenden Oele angestrichen oder getränkt worden seien! Damit 
wäre uns aber eine Brücke aus den ältesten Zeiten bis in unsere 
Tage hinein gesichert und überhebt uns der Mühe müssige 
Conjecturen über das immerhin etwas befremdliche Schweigen 
anzustellen. Denn wichtig ist für unsere Untersuchungen der 
Umstand, dass sich im Orient die Dinge weniger verändern, die 
ererbten Gepflogenheiten nur geringem Wechsel unterworfen 
zeigen. Denn so wie Xenophon die Häuser 1) der Drilen (B. V) 
fand, so traf sie Fallmerayer auf seinem Ritte zum Höhlen- 
kloster Sumelas (Fragm. a. d. Or. S. 99, 103, 118 u. S. 119.) 
Es ist derselbe beliebte Holzbauß) wie wir ihn nicht allein in 
Stambul, sondern heute noch überall vorfinden, wo beispiels- 
weise die Osmanen waren oder noch sind; denn diese Art zu 
bauen stammt aus Asienß) wo sie sich heimisch erweist. Wie 
1) Unter Theodosius II. (408-450), welcher Konstantinopel zur 
Siebcnhiigelstadt machte, finden wir die hafenwärts gelegene Xyloporta. 
(das hölzerne Thor), weil es nach dem hölzernen Cirkus des St. 
Mamos führte; es ist jenes Thor, in dessen Nähe die Osmanen zuerst 
in die Stadt eindrangen, auch wurden durch das Holzthor (Odun Kapu) 
früher die Leichname der im Serai Hingerichteten zur Nachtzeit hinaus- 
getragen, um in's Meer geworfen zu werden. 
2) Auch Ptolemäus nennet uns im Gebiete des 'I'rapezuntischen 
Reiches einen Flecken Evluvig 11:61h; (Holzstadt).  Geschichte des 
Kaiserthums v. Trapezunt, verf. v. Fallmerayer, München 1827, Verlag 
v. Anton Weber.  S. 303.  Auch sehe man Apollonius des Rhodiers 
Argonautenfahrt B. I, dort heisst es V. 379 u. w.: 
„         
"Nah angrenzend sofort sind Mossynöken Bewohner 
"Eines bewaldeten Lands am Abhang hoher Gebirge, 
"Welche in Thürmen von Holz sieh Wohnungen künstlich gezimmert," 
„       
 s) Wenn wir die uns erhaltenen Berichte verfolgen, so finden wir, 
dass diese Art zu bauen in den Verhältnissen begründet war, und dürfen 
eben deshalb die uns bekannt gegebenen Bau- und Conservirnngs- 
Materialien als alt-angewandte betrachten. Denn beispielsweise fanden 
unter der Regierung Justiniads fast jedes Jahr Erdstösse statt; einmal 
wurde zu jener Zeit Konstantinopel vierzig Tage lang von Erdstössen 
heimgesucht; damals sollen zu Antiochien allein 250 OUO Menschen um- 
gekommen sein. Es ist erklärlich, dass unter solchen Verhältnissen 
der Holzbau schon in den frühesten Zeiten eine ausgedehnte Verwendung 
und Entwickelung gefunden hat; denn die mit leichter Bedaehung ver- 
sehenen Häuser erwiesen sich solchen Elementarereignissen gegenüber 
widerstandsfähiger und gefahrloser. Das Banmaterial wie das zur Con- 
servirung des Holzes benutzte Oel vermehrten aber andererseits auch 
die Feuersgefahr in bedenklicher Weise, und erklären sich daraus die 
häufig gemeldeten verheerenden Feuersbrünste. Eben diese Anlagen 
lassen uns auch die Möglichkeit jenes schreckenvollen, Byzanz der Ver-
        

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