Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841193
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Nur den kann eine solche Kritik, ein solch' nicht mehr zu 
überbietendes Lob überraschen, der die Sache nur flüchtig ver- 
folgt, oder der sich gewöhnt hat, die von Archäologen über die 
Kunstentwickelung bei den Griechen festgestellten Perioden als 
unantastbar zu betrachten und nur auf diesen Grundlagen weiter 
fortzubauen. Zu anderen Ergebnissen gelangt aber der Praktiker, 
der vorurtheilsfrei forschende Künstler.  Man führt die Kunst 
auf sogenannte Monochrome und Silhouetten-Darstellungen, als 
auf Erstlingsverfahren zurück. Doch was sind Monochrome? 
(Man sehe ab von primitiven Handwerksarbeiten.) „Es gehören 
im strengen Sinne", sagt John, 1) „unsere neueren Sepien- und 
Tuscharbeiten .3   jaiselbst ausgeführte Zeichnungen mit rother 
oder schwarzer Kreide hieher    In der Oelmalerei könnte 
man die Arbeiten, welche man Grau in Grau nennet, Mono- 
chrome nennen .   Wenn sich nun aus gewissen Zeiten 
nur griechische Monochrome mit Scherbenroth (gemahlener terra 
sigillata), mit Drachenblut (Cinnabaris oder Kinnabari auch chi- 
navari) oder Ephesischem Minium (Miltos, Bergzinnober) gemalt, 
erhalten finden, so beweisen diese doch nur den jeweil höheren 
oder niedereren Stand der Vasenmalerei, wenn man will, auch 
den des Kunsthandwerkes; aber daraus eine Schlussfolgerung 
auf die Entwickelung und den Stand der Malerei wie der übrigen 
Künste zu ziehen, ist doch unstatthaft. Desgleichen verhält es 
sich mit den Lampen- und Sonnenschattenrissen, deren Erfinder 
und Verbesserer uns selbst gemeldet werden. Denn finden wir 
nicht nach den gewaltigen Schöpfungen der Renaissance und 
den hervorragenden koloristischen wie zeichnerisch gleich- 
bedeutenden Werken des 17. Jahrhunderts und den genialen 
Leistungen des Rococco gerade die primitivsten Silhouetten- 
Darstellungen zum Schlusse des vergangenen Jahrhunderts wieder 
hervortreten? Und finden wir deren Herstellung nicht in ähn- 
licher, ja in noch kindischerer Weise erörtert und empfohlen 
wie uns deren Entstehen Plinius erzählt? Gestatten diese aber 
nun eine Schlussfolgerung auf das Vorhergegangene?  Man 
spricht von der Skiagraphie, als einem Kunst-Beginnen, doch 
was ist sie anders als ein, unter Umständen hohes technisches 
Können und Wissen verrathendes Kontur- oder Silhouetten- 
zeichnen?  John sagt deshalb mit Recht (S. 108): „Wenn 
Homer auch der eigentlichen Malerei nicht Erwähnung thut, 
sondern nur von Farben an Schiffen spricht, so lässt er uns 
doch die Zeichenkunst auf einem sehr hohen Gipfel der Voll- 
112.
        

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