Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841178
baren fetten, aber monotonen Weideplätze Abwechslung und 
Schatten bringt und. zu einer Höhe heranwächst, dass sie der 
Eiche, ihrer nördlichen Schwester, sehr ähnlich sieht, besonders 
im Plerbst, wenn ihre Blätter abzufallen beginnen. 
Aus dem Stamme der Terebinthe gewinnt man durch Ritze 
in die Rinde den echten Terpentin, der indess wegen der ge- 
ringen Ergiebigkeit selten, bei uns wohl nie ganz rein, auf den 
Markt kommt. In Palästina werden, wie manche behaupten, 
zum Nachtheile des Baumes keine derartigen Einschnitte gemacht 
(Mariti, S. 521, bei Rosenm. 4:, 1. 230.), obwohl sein Harz 
schon früh gesammelt und sehr geschätzt wurde. „Die Tere- 
und Galban, Onyx und Stacte, wie n1it Rauchwerk, das ohne Einschnitt 
hervorquillt, durchriiucherte ich meine WVohnnng, und mein Gerueh war 
wie unge1nischtei' Balsam. Wie eine Terebinthe breitete ich 
meine Zweige aus, und meine Zweige sind herrlich und 
lieblich. Wie ein Weinstock trug ich wohlriecheilde, liebliche Früchte: 
et iiores mei fructus honoris et honestatis".  Et ist ja offenbar. dass 
wir unter den vergleichenden Bildern der citirten Verse (20-23) nur 
eine fortgefiihrte Steigerung ihres Werthes, ihrer unschätzbaren, sinner- 
freuenden und das Geniiith erhebenden Genüsse finden sollen. Dass nun 
die Terebinthe gerade diesen kostbaren Specereien folgt. lässt wiederum 
ganz unzweideiltig deren Zusammengehörigkeit mit jenen das Räucherwerk 
und den Balsam liefernden Repräsentanten der Bauin- und Strauchwelt er- 
kennen, denn als schattenspendenrler Baum, so werthvoll er als solcher 
gewiss dem Orientalen war, wäre er richtiger dem Ahorn gefolgt; doeh in 
der Terebirlthe fand der Sänger eben mehr als das, indem sich in ihr Alles 
vereinigt, was uns unter den verschiedenen Bildern vergegenwärtigt 
worden ist. Denn sie vereinigt in sich die Dauer der Ceder mit dem 
hohen Wuchs der Cypresse, die Schönheit der Palme mit dem Duft der 
Rose und des Oelbaumes köstliche Gabe vereint mit des Ahorns küh- 
lendem Schatten, den von bestrickenden Düften balsamischer Harze 
durchhauchte Lüfte erfüllen.  Die sich an diese Strophe sehliessende 
Erwähnung des Weinstocks an eben dieser Stelle lässt nur weiterhin 
die hohe Werthschätzung der Terebinthe erkennen. Denn in dieser 
Hinimelsgabe, der Rebe, tritt zum Wohlgeruche die köstliche Frucht, 
deren lieblich-duftend erquickend Nass, wie David (Ps. 103, 15) sagt, 
des Menschen Herz erfreut, und nach des weisen Salomo Sprüchen 
(31, 6) selbst das Herz der Betriibten und Traurigen fröhlich macht und 
sie nicht mehr ihres Schmerzes gedenken lässt.  Somit bestätigen die 
vorstehenden Untersuchungen neben der frühen Inachtnahme der Pro- 
ducte der Pistazie, deren hohe, kaum mehr zu überbietende WVerth- 
Schätzung; daneben steht ihr Massenauftreten in eben jenen Landes- 
theilen ausser Zweifel, wo die nachgewiesene Kenntniss jener. von der 
'I'erebinthe herrührenden Ingredieneien, für uns von grösster Wichtigkeit 
ist; dazu ist nicht minder wichtig die noch heute nzichweisbare Unaus- 
rottbarkeit dieser Buumgattung, ein Umstand, der auf eine ausgiebige 
Benutzung des todten wie des lebenden Holzes schon in den ältesten 
Zeiten zu schliessen gestattet.
        

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