Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841167
bergen von    Hebron riesengrosse Trauben,    und die in den 
Felsen gehauenen XVeinkcltern, welche sich bei alten Ruinen oder unter 
dichtem Unterholz verborgen in grosser Zahl finden, beweisen hin- 
länglich, wie weitverbreitet hier in alten Zeiten der Weinbau gewesen 
ist". Kein Wunder, dass, wie Sepp an eben bezeichneter Stelle mit- 
theilt, die Landessage hier Noa den ersten Weinstock pflanzen lässt. 
Zu Hesebon müssen die Verhältnisse ähnliche gewesen sein, da. Isaias, 
ein Feind der Heseboniten, sich zu Jammer und Wehklagen erhebt und 
Sagt: "Darum weine ich, wie um Jazcr, um den Weinberg Sabamafs, 
mache dich trunken mit meinen Thränen Hesebon und Eleale; denn 
auf deine Weinlese und deine Acrndte fallt die Stimme (das Schlacht- 
geschrei) der Zertreter (der Assyrer)".  An beiden Stellen treffen wir 
wiederum vornehmlich die Vertreter der Pistacia terebinthus, welche wir 
hier mit der Eiche verglichen sehen, dort als Denkrnals-Terebinthe er- 
wähnt ünden; jedenfalls dürfen wir dieselben als die Reste einstmals 
hier vorhandener bedeutender Bestände betrachten. Somit scheint der 
Wuchs und das Gedeihen der Rebe wie das Wachsthum der Terebinthe 
an die gleichen Bedingungen geknüpft zu sein. Ueberraschend nur ist 
es, wie sich trotz der systematischen Verwüstung des Landes, „das von 
Milch und Honig iioss", das Eine mit den Andern an beiden Stellen 
erhalten hat. Denn das römische Belagerungsheer hatte, wie der Augen- 
zeuge Flavius Josephusglnerichtet, die Landschaft "kahl geschoren", alles 
Baum- und Buschleben bis auf die letzte Spur vertilgt, die Ortschaften 
Weithin verwüstet und selbst die Brunnen verschüttet, so dass der eherne 
Fusstritt der Legionen in leerer Oede verhallte, wo ein thatkräftiges, 
arbeitsames, gottesfiirchtiges Volk geweilt, wo reiche Quellen die Gärten 
wässerten, und rinnende Bäche der Wälder Schattenkühle erhöhten 
(Fallmereyen)  Das in der Natur wie in den Bildern der heiligen 
Schrift sich wiederholende Zusammenstehen dieser so ungleichartigen 
Gewächse, weckt neben dem Interesse des Schrifterklärers besonders 
jenes des Kunsthistorikers. Denn wie sie für ersteren durch Gottes 
Bund mit Abraham, der im Schatten der Therebinthe geschlossen 
worden, um durch die Gaben Melchisedech's an den Vater des auser- 
wählten Volkes von erhabenster Bedeutung geworden sind, so lehrt den 
Historiker, den Forscher die Zusammenstellung dieser Gewächse durch 
den WVerth des einen, den Werth des anderen bestimmen. Dioscorides 
wusste, dass die Früchte der Therebinthe nichts taugen, und dies wussten 
zweifellos auch die Israeliten jeder Zeit; sie schätzten an dem Baume 
also etwas Anderes, und was dies war, erfahren wir durch Jesus Sirach. 
Im Buche Ecclesiasticus C. 24 vernehmen wir das Lob der NVeisheit, 
die ihr eigmes Lob verkündend, sich in einer Folge von Vergleichen er- 
geht, die mit der „'I'erebinthe" und dem "Weinstock" enden. Sie ver- 
gleicht sich mit der Ceder auf dem Libanon und der Cypresse auf dem 
Berge Sion, mit der Palme zu Cades und mit der Rosenstaude zu Jericho, 
mit dem Oelbaum auf dem Felde und dem Ahorn am Wasser. Obschon 
nun die Ceder, die Palme. die Rose und der Oelbaum durch ihre Grösse, 
ihre Höhe, ihre Dauerhaftigkeit, ihre Schönheit oder ihren Nutzen von 
hohem Werthe erscheinen müssen, so begnügt sich dieselbe dennoch 
mit dieser losen Aneinanderreihung von vergleichcnben Bildern. Dann 
aber erhebt sich die Weisheit zu höherem Fluge und sagt: „Ich gab 
einen Geruch von mir wie Zimme und wohlriechender Balsam: ich gab 
einen lieblichen Geruch wie die auserlesenste Mjrrhe: wie mit Storax 
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