Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841072
Erfolge erzielenden Malverfabren zu thun, und dies innerhalb 
zweier, in regem Verkehre stehenden Schulen. Doch hören wir 
des Cebes eig'ne Worte, um beurtheilen zu können, welch' 
hohe Anforderungen jenes Bild an das Können des Künstlers 
.und an die zur Ausführung erforderlichen Malmittel zu stellen 
nöthigt. Das zehnte Kapitel jener vortrefflichen Erklärung be- 
ginnt: „Wer ist denn Das?" fragt der Fremde den ehrwürdigen 
Alten. Und der Greis erwidert: "Siehst du hinter ihnen Etwas, 
wie eine kleine Thüre, und einen engen und dunkeln Platz?" 
"Allerdings!" erwidert der Fremde. Der Greis: „Ben1erkst du 
nicht auch hässliche, schmutzige, in Lumpen gekleidete Weiber, 
die sich daselbst befinden?" Der Fremde: „Ja wohl!" Der Greis: 
„Von ihnen nun heisst Die, welche die Geissel hält, Strafe, 
Die, welche den Kopf auf die Knie stützt, Betrübniss, Diejenige, 
welche sich die Haare zerrauft, Schmerz." Der Fremde: „Aber 
jener Andre dort, welcher neben ihnen steht, missgestaltet mit 
entstelltem Gesicht, schmächtig und nackt, und ihm zur Seite 
das Weib, eben so hässlich und schmächtig als er, wer sind 
denn Die?" Der Greis: „Er wird der Jammer genannt, sie 
aber, seine Schwester, die Verzweiflung. Diesen nun wird 
er übergeben und in ihrer Gesellschaft, unter ihren Qualen 
bringt er sein Leben zu. Von da wird er hierauf wieder in 
eine andere Behausung geschleppt, zum Unglück, und hier ver- 
lebt er in lauter Elend den Rest seiner Tage, wenn nicht 
glücklicher Weise die Reue ihm begegnet     Kapitel 15 
beginnt dann mit der Frage des Fremdlings: "Welches ist nun 
der Weg, der zur wahren Bildung führt?" Und antwortet darauf 
der ehrwürdige Alte: „Siehst du da droben jenen Platz, worauf 
Niemand wohnt, sondern welcher öde zu sein scheint?" „lch 
seh' ihn", erwidert der Fremde. Darob der Greis: „Bemerkst 
du nicht auch eine kleine Thüre, und vor derselben einen Weg, 
welcher nicht zahlreich besucht ist, indem nur ganz Wenige 
darauf wandeln, da er unwegsam, rauh und felsig zu sein 
scheint?" „Allerdings", erwidert der Fremde. Der Greis fort- 
fahrend: „Scheint nicht auch ein hoher Hügel dort zu sein, 
und ein enger Zugang dazu, mit steilen Abgründen auf beiden 
Seiten?" Der Fremde: „Ich seh' ihn!" Der Greis: "Das nun 
eben ist der Weg    Dem Fremden dünkt der Weg recht 
beschwerlich zu sein, worauf ihn der Erklärer noch auf die 
weiteren dem Wanderer drohenden Gefahren des Weges auf- 
merksam macht, der sich weiter aufwärts über felsigen Grund 
von Abgründen umgeben dahinzieht. Auf dieser von Gefahren 
umgebenen Klippe weist dann dem Fragenden der treffliche Er-
        

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