Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841053
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beständig ausgesetzt bleibt, wenn es vor mechanisch wirkenden 
Niederschlägen auch geschützt ist, verlangt zunächst einen Unter- 
grund, den solche Einflüsse nicht oder nur wenig berühren, 
dazu aber ein Malmaterial für die Darstellung selbst, das durch 
Feuchtigkeit nicht leidet und von jedem Wechsel unbeeinflusst bleibt. 
Ein Gemälde auf Leinwand wäre hier undenkbar, auch kannte 
man dieselbe als Gemäldeuntergrund damals nicht, da ein solcher 
 nach Plinius  erst in späterer, römischer Zeit in Auf- 
nahme kam. Holz, auch das eisenfesteste, muss ebenfalls an dieser 
Stelle als ungeeignet erscheinen. Eine Metallunterlage mit 
zweckdienlichem Malgrunde könnte wohl am meisten Wahr- 
scheinlichkeit für sich haben. Auch ein zusammengesetzter 
Grund ist denkbar, etwa aus einer Vergitterung von flachen 
Kupfer- oder Messingstreifen (weleh' letzteres Metall den Griechen 
schon bekannt war) als Gerippe für einen Stuckgrund. Solche 
Gründe kennen wir. Ueber einen Gemäldegrund aus Gyps und 
Leim berichtet beispielsweise die Hermeneia, das Handbuch der 
Malerei vom Berge Athos unter ä. 6 und ä. 8; auch waren 
"solche den alten Aegyptern bekannt. Die Anwendung von Kalk 
mit Käsestoff zur Herstellung von Gemäldegriinden mögen Jene 
bestreiten, die das Unbekanntsein dieser Verbindung nachzu- 
weisen vermögen. Ohne an dieser Stelle vorzugreifen, soll nur 
darauf aufmerksam gemacht werden, wie Theophilus zur Kennt- 
niss dieser Stoffe gelangen konnte, wenn sie ihm nicht durch 
eine alt-hergebrachte Praxis bekannt geworden, gleichwie das 
bei unseren Bauern der Fall ist, die weder den Theophilus noch 
ältere Autoren studiert und dennoch wissen, dass zur Heilung 
zerbroehener Pfeifenköpfe, Klatschkäse und Kalk das beste Mittel 
ist. Gerade diese Stoffe müssen als ausserordentlich werthvoll 
bei Einwirkung der Aussenluft und bei Feuchtigkeit betrachtet 
werden, welches die einfache Thatsache bestätigt, dass zwei 
Eichenplanken, durch diese Mischung verbunden, und später ins 
Wasser gelegt, verbunden bleiben. Weder Theophilus Presbyter 
noch die Bauern haben sich um den Erfinder gekümmert, son- 
dern lediglich mit der ihnen bekannten Thatsache gerechnet, 
wie dies auch Seitens ihrer Vorgänger geschehen sein wird. 
Ein solcher Grund aber, den ein Ueberztlg mit punischem 
Wachse (wie ihn uns die Calatfsche Neuerfindung 1) bietet) 
weiterhin gedichtet und tadellos gemacht hat, muss für den vor- 
liegenden Zweck durchaus geeignet erscheinen. Die zweite Frage 
führt uns zur Erforschung der angewandten Maltechnik. Bei 
die 
1) M an sehe 
Anmerkung auf S. 
45 
dieses 
Buches.
        

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