Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1840996
Wie nun das Lebensbau1nm0tix' eine weitere Fortführung 
erfahren, zeigt uns dessen Verwerthung bei den Südslaven. 
Schon einmal wurde in diesem Buche auf die innige Verbindung 
der Südslaven mit den Griechen (Bigzantinern) hingewiesen. 
Zu Vuka in Slavonien zeichnete ich im Jahre 1880 im Kapa- 
nidschen Hause einen Hambar (Fruchthaus in Mitten des Hofes), 
der, erst im Jahre 1846 erbaut, auf den Planken der Gallerie 
des Obergeschosses jenes Lebensbaummotiv variirt wiederholt 
bot. In dem genannten Orte fand ich an anderer Stelle das- 
selbe Motiv, ebenfalls an einem Fruchthause (Hambar). Letztere 
Darstellungen waren noch deutlicher, noch erkennbarer, und 
dazu reicher ausgebildet. Da ich unter den vielen Holzarchi- 
tecturen alldort dies Ornament nur an eben jener Stelle fand, 
also nur zum Schmucke dieser Vorrathshäuser 2) verwendet sah, 
in Holz ausgeführt, andere an die Wand gemalt; sehr der Beachtung 
werth sind jene, welche uns in alt-mexicanischen und yucatesischen 
Handschriften erhalten geblieben sind.  Wir erfahren, dass das Kreuz 
zur Zeit der Entdeckung dort das Ziel in höchster Verehrung: stehender 
Wallfahrtsorte war, dass man kleinere Kreuze zur Zeit der Dürre umher- 
trug, ein Umstand, der uns nach Aegypten zuriickvveist, wo auch das 
Kreuz mit der Regenspendung in Verbindung gebracht wird.  
lxtlilxochitl, der Prinz aus dem einheimischen Künigsgeschlecht von 
Acolhuacan und Geschichtsschreiber seines Volkes, erzählt, dass, als 
Cortez bei den ldaxcztltekcn vor seiner Wohnung Kreuze aufpflzinzen 
liess, die ldaxcaltelaen höchst betroffen waren, dass die Spanier zu dem 
Gotte beteten, den sie selbst Tonacaquauhuitl oder den "heiligen Baum 
des Lebens und der Erniiliriing" nannten. Deutlicher noch wird uns 
der Zusammenhang, wenn wir erfahren, dass das Kreuz das Hauptsymbul 
der ältesten Gottheit der Tolteken, Ttlaloc oder Ttlalocateucxli, der 
"Herr des Paradieses"  war, der seine Wohnung hoch auf dem Gip- 
fel der Berge hat.  Dieses sogenannte Kreuz ist nun auch thait- 
sächlich ein Baum, denn wo es die Darstellung gestattet, sehen wir ihn 
in Bliithen und Blättern prangen. Dazu fehlt auch nicht jener Vogel, 
dessen schon Erwähnung geschehen ist, welcher fast ausnahmslos auf 
der Spitze oder in der Krone  wie man's nennen mag  ruht. Um 
das uns bekannte Bild zu vervollständigen, erblicken wir am FLISSG des 
Baumes auch die ebenfalls schon anderswo gefundene Drachengcstalt. 
Die grösste Ueberraschung aber bewahrt uns der Codex Fejervary, dort 
hängt sogar an dem überall reich blühenden, astig gestalteten Baum- 
Kreuze eine blutige Gestalt.  Aus eingehenden Vergleichen lässt sich 
weiterhin der Nachweis erbringen, dass "die zirehiteetonisch gebildete 
Kreuzform jünger ist; sie giebt lediglich den Baum in seinen Grund- 
formen: dem vertikalen Stamme und der sich horizontal ausbreitenden Krone. 
 Diese, wie die vorhergehende Stelle gewinnt an Interesse, wenn wir uns 
der Worte des siebenten Verses des II. Kapitels der Offenbarung des heiligen Apostel 
Joannes erinnern, wo es heisst:           Wer überwindet, dem will ich zu 
essen geben von dem Baume des Lebens, der im Paradiese meines Gottes ist." 
2) Diese Vorrathshäuser dienen, um mit Herodot zu sprechen, 
lediglich zur Aufnahme der Demeterfrueht (des Getreides), (Her. I. 193); 
Excgeten werden vielleicht auf Grund dieser Bestimmung, verbunden mit
        

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