Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Studien zur Geschichte der Oelfarbentechnik
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1838905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1840949
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hörenden Tradition zu erkennen haben.  Einer weiteren Aus- 
bildung (lies-er Form begegnen wir in Ravennal) zu S. Apollinare 
in Classe, wo das Relief eines Sarkophages diesen Gegenstand 
in zweifacher Darstellung gibt; auch hier ist das Kreuz als 
Stamm des Lebensbaumes gedacht. In der oberen Darstellung 
steht das Kreuz auf dem Haupte eines ruhenden Löwen, aus 
dem scheinbar auch das Gezweig hervorgeht; Tauben zur 
Rechten und zur Linken in den ornamental gestalteten Ranken 
sitzend, wenden sich dem Kreuzez) zu. Die untere Darstellung 
zeigt dasselbe Motiv in noch reieherer Symbolik, die wir weiter- 
hin bis ins späte Mittelalter zu verfolgen vermögen.  In S. 
Apollinare Nuovoa) zu Ravenna erhebt sich das Kreuz auf einer 
Weltkugel. 
Weiterhin darf mit Bezug auf das sich baumartig gestal- 
tende Ornament auf ein Relief in der Vorhalle, unter dem 
Portikus von S. Maria in Trastevere zu Rom verwiesen werden, 
welches sich ebendort unter vielen Resten frühchristlicher Ar- 
beiten und Inschriften eingemauert findet. Wie die Byzantiner 
die ererbte Form des heiligen Baumes weiter vererbt, sehen 
wir auch an der Ausschmückung des Mihralf) der Moschee zu 
Cordova; hier finden wir das Baummotiv in Mosaik und im 
Relief verwerthet. (Ueber die Thätigkeit byzantinischer Kunst- 
thums lagert, der ihre würdevolle Salbung noch erhöht, besonders die 
Präfatiouen der Tage des Leidens Christi und der Feste vom heiligen 
Kreuze zu erwähnen, welche an Tiefe der Empfindung und schlichter 
Grösse nicht zu übertreffen sind. Dein hohen Fluge folgte auch die 
Kunstpoesie und neben ihr fand die Legende fruchtbaren Boden; wie 
tief diese Anschauungen im Volke gewurzelt, beweist der reiche Schatz 
volksthiimlichcr, hoher 'I'ragik voller Lieder, über die uns schon ein 
kurzer Einblick in jedes Kirchengesangburah belehrt. Auch sehe man 
Hoffmann von Rillerslebens Geschichte des deutschen Kirchenliedes bis 
auf Luthers Zeit, wie auch Dr. Joh. Kaysers') Beiträge zur Geschichte 
und Erklärung der ältesten Kirchenhymnen, wo sich dazu eine reiche 
Literaturangabe findet. Alle Gedanken aber, welche hier oder dort zum 
Ausdrucke gebracht werden sind, finden wir in dem schlichten, alten 
Volkskirehenliede: „O du hoehheillges Kreuze" vereint.  
 Paderborn, Druck und Verlag von Ferdinand Schöningh, 1881. 
 Man sehe: "Kunsthistorische Bilderbogen" Nr. 42, 7; auch 
Bogen Nr. 43, 6 u. 7. 
2) Auch diese Darstellung findet sich schon in den frühesten 
Zeiten angewandt. 
a) Illustrirtes Archäologisches WVürterbuch von Dr. Herm. Alex 
Müller und Baurath Dr. Oscar Mothes (Leipzig, Otto SPELDIOY, 1878), 
Art. "Kreuz". 
4) Die Baukunst Spaniens, dargestellt in ihren hervorragendsten 
Werken. Aufnahmen von Max Jnnghändel, Text von Cornelius Gurlitt. 
Gilbefsehe König]. ITof-Verlagsbuchhandlung J. Bleyl, Dresden.
        

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